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Aachen: Ehefrau will Vater ihres Kindes wieder haben

Aachen : Ehefrau will Vater ihres Kindes wieder haben

Alles ganz anders: Der wegen versuchten Mordes an seiner Ehefrau angeklagte Jugoslawe stellte die Geschehnisse völlig anders dar als der Staatsanwalt. Der 38-jährige Dreher aus Serbien machte einen bemitleidenswerten Eindruck auf der Bank.

Er sprach wenig akzentuiert in seiner Heimatsprache, musste das Meiste von den Lippen seines Übersetzers ablesen, Deutsch konnte er gar nicht. In seiner Kindheit sei er - nicht sprichwörtlich, sondern ganz real - auf den Kopf gefallen. Er behielt eine fast hundertprozentige Taubheit zurück.

Der erste Verhandlungstag am Mittwoch offenbarte eine ganz und gar traurige Beziehungsgeschichte, voller Missverständnisse und unglücklicher Begebenheiten. Als am frühen Nachmittag das Opfer, die 28-jährige Ehefrau des Angeklagten, in den Zeugenstand trat, waren alle hoch gespannt.

Sohn besuchte Vater in der JVA

Denn im Vorfeld gab es zahlreiche Spekulationen, ob die Mutter des gemeinsamen, jetzt zweijährigen Kindes überhaupt aussagte. Als die junge Frau (sie spricht fließend deutsch, ist hier aufgewachsen) blass und gefasst auf dem Zeugenstuhl Platz nahm, stellte Richter Gerd Nohl nach der Aufnahme der Personalien die entscheidende Frage: „Können Sie sich noch ein Zusammenleben mit dem Angeklagten hier vorstellen?” Da drängten zögerlich, aber vernehmlich die Worte aus der Mutter heraus: „Ja, immerhin ist er der Vater des Kindes.” Sie habe sogar arrangiert, dass die Kleine ihn in der JVA besuchen konnte.

Seit einiger Zeit hatte das Paar, das in Aachen wohnte, immer wieder heftigen Streit. „Ich habe gedacht, dass ein wenig Abstand gut sei.” Und da war sie Ende März Knall auf Fall ausgezogen, hatte eine andere Wohnung in Aussicht. Dabei habe ihr „ein Kumpel” geholfen, sonst war da nichts. Der Angeklagte wollte sie zurück haben. Da kam es am 6. Mai in der Wohnung des Mannes zu einer heftigen Auseinandersetzung, in dessen Verlauf der Angeklagte seiner Frau einen schweren Aschenbecher auf den Kopf hieb.

Am Mittwoch behauptete er, seine Frau habe in so heftig getreten , dass er sich nur noch wehren wollte. Der Aschenbecher stammte vom nebenliegenden Balkon des Nachbarn. Die Anklage wirft ihm Entführung von Frau und Kind sowie versuchten Mord vor. Die Verhandlung wird am Freitag fortgesetzt.