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Aachen: Dynamisches Meisterkonzert mit russischem Flair

Aachen : Dynamisches Meisterkonzert mit russischem Flair

Die armen Solotrompeter stehen, was die Fülle der Konzert-Literatur angeht, im Schatten ihrer geigenden und klavierspielenden Kollegen. Von Haydn und Hummel allein kann man nicht leben, und mit dem Neutöner Bernd Alois Zimmermann ist weder bei Publikum noch bei Konzertveranstaltern ein Blumentopf zu gewinnen.

So behilft man sich mit Transkriptionen fremder Werke. Daran hielt sich auch der junge Meistertrompeter Sergei Nakariakow, der im 3. Meisterkonzert Mendelssohns frühes Violinkonzert d-Moll in einer Transkription seines Vaters Mikhail spielte und alle Register virtuoser, klanglich ausgefuchster, dynamisch differenziertester Trompetenkunst zog. Das war jedenfalls gekonnt und gestalterisch geschmackvoll.

Dass er nach der Pause Mozarts Horn-Konzert Es-Dur KV 495 auf dem Flügelhorn blies und zwar wiederum technisch wie gestalterisch makellos, war angesichts der Klangverwandtschaft der beiden Instrumente kein Sakrileg, Wohl aber das Fehlen des Hörner- und Fagottpaars im Orchester. So sorglos sollte man mit Mozarts ungemein diffizilem, klanglich empfindlichen Orchestersatz nicht umgehen.

Wie der Solist, so kam auch das Orchester, die Kammerphilharmonie, aus St, Petersburg. Neben seiner Begleitfunktion bei Mendelssohn und Mozart präsentierte es sich unter der temperamentvollen Führung durch den ohne Taktstock dirigierenden Juri Gilbo mit der liebenswerten Serenade von Edward Elgar, vor allem aber mit dem weit anspruchsvolleren „Souvenir de Florence” von Peter Tschaikowsky.

Wenn man das Sextett chorisch spielt, gilt es, die Dominanz der Violinen mit den schwächer besetzten Bratschen und Celli klanglich auszubalancieren. Dass dies weitgehend gelang, zeugte für die Spielqualität des Orchesters. Das war ausgezeichnet musiziert.