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Arlon: Dutroux: Staatsanwalt fordert Lebenslang

Arlon : Dutroux: Staatsanwalt fordert Lebenslang

Staatsanwalt Michel Bourlet hat die Geschworenen am Donnerstag aufgefordert, Dutroux und seine Mitangeklagten in insgesamt rund 250 Punkten schuldig zu sprechen.

Dutroux droht damit lebenslange Haft. Seine Ex-Frau Michelle Martin und ein Komplize müssten mit 30 Jahren Gefängnis rechnen, der Mitangeklagte Michel Nihoul mit 20 Jahren. Der Staatsanwalt sah in seinem Plädoyer alle 32 Punkte der Anklage als erwiesen an. Die Geschworenen sollten deshalb auf fast alle Fragen, die ihnen dazu am Ende des Prozesses vorgelegt würden, mit „Ja” antworten.

Hinweise auf Beteiligung an Entführungen

Das gelte auch für die Frage, ob der mehrfach vorbestrafte Betrüger Nihoul als Auftraggeber der letzten Entführung im Sommer 1996 anzusehen sei, betonte Bourlet. Er räumte ein, die Wahrheit über die Entführung der beiden achtjährigen Julie und Mélissa im Juni 1995 nicht zu kennen. Es gebe aber eine Reihe von Hinweisen auf eine Tatbeteiligung des Hauptangeklagten Dutroux, sagte Bourlet. Dagegen verlangte die Dutroux-Verteidigerin Martine Van Praet, bei diesem Punkt im Zweifel für den Angeklagten zu entscheiden. „Warum sollte er diese Entführung stets abstreiten, während er die anderen doch zugibt?”

Auch Dutroux selbst bestritt erneut jede Beteiligung an dieser ersten von insgesamt sechs Entführungen, die ihm zur Last gelegt werden. In einem maschinengeschriebenen Brief aus dem Gefängnis, der den belgischen Privatsender AB3 erreichte, beschuldigte er wiederum ein unbekanntes Netzwerk. Die organisierte Kriminalität sei so tief in den Staatsapparat eingedrungen, dass niemand diese Missstände mehr anzuklagen wage, behauptet Dutroux in seinem Brief. Am Dienstag will sein Hauptverteidiger Xavier Magnée sein Plädoyer halten und dabei auf die Netzwerktheorie eingehen.