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Arlon: Dutroux-Prozess zieht sich in die Länge

Arlon : Dutroux-Prozess zieht sich in die Länge

„Dass er Fragen stellt, ist in Ordnung. Aber seine ständigen Kommentare gehen mir auf die Nerven.” Paul Marchal, der Vater der entführten, vergewaltigten und vermutlich ermordeten An, konnte seine Verärgerung nur mühsam zügeln.

Er und die anderen anwesenden Opfer-Angehörigen verließen gestern den Schwurgerichtssaal in Arlon unter Protest. Arm in Arm mit dem überlebenden Dutroux-Opfer Laetitia Delhez ging auch Louisa Lejeune, die Mutter von Julie, aus dem Saal. Zuvor hatte sie dem Gericht einen Pulli ihrer Tochter präsentiert und die Frage aufgeworfen, wieso dieser in einem Haus von Dutroux gefunden wurde, in dem Julie angeblich nie gewesen war.

Julies Vater nervt das „Ping-Pong-Spiel”

Völlig entnervt kritisierte Julies Vater Jean-Denis Lejeune das „Ping-Pong-Spiel” zwischen dem Untersuchungsrichter Jacques Langlois und dem polizeilichen Cheffahnder Michel Demoulin. „Wie weit muss man in der Hierarchie der Polizei runtergehen, um Antworten zu bekommen”, entrüstete sich der Gründer von „Child Focus”, einer Organisation, die bei der Suche nach verschwundenen Kindern hilft.

Gerichtspräsident Stéphane Goux versuchte ihn mit dem Hinweis zu beruhigen, dass es in jedem Prozess Lücken und Mängel gebe und man nicht immer alle Antworten haben könne. „Wir haben bisher nicht den Hauch einer Antwort auf die Fragen, die wir seit 1995 stellen. Wir wissen nur, wann die Mädchen entführt und wann sie wieder gefunden worden sind”, erklärten Louisa und Jean-Denis Lejeune verzweifelt. „Für den Rest unserer Tage werden wir mit dieser Ungewissheit leben müssen.”

Sieben zusätzliche Zeugen

Das Gericht gab dem Antrag der Verteidiger von Marc Dutroux statt, sieben zusätzliche Zeugen zu vernehmen, darunter auch Michel F. In dessen Haus waren Kleider und Fotos von Julie und Melissa gefunden worden, die er während eines Ferienlagers im Sommer 1994 getroffen haben will. Im April 2000 hatte F. ausgesagt, die beiden Kinder nach ihrem Verschwinden einige Tage bei sich aufgenommen zu haben. Danach seien sie nach Italien gereist, wo eine von ihnen ihren echten Vater wiedergefunden habe.

Die Eltern der in Dutroux Gefangenschaft gestorbenen Mädchen hatten F. verdächtigt, an der Entführung beteiligt gewesen zu sein - eine Fährte, die nach kurzer Zeit aufgegeben worden war. „Weil sie nicht zu Marc Dutroux führte”, warf Dutroux-Anwalt Xavier Magnée den Fahndern vor, nur in eine Richtung ermittelt zu haben. Die Benennung zusätzlicher Zeugen und die Ansetzung von Ortsterminen - darunter auch in dem Kellerverlies, in dem die Mädchen gefangengehalten wurden - führen dazu, dass der Prozess mindestens zwei Wochen länger als geplant und deshalb bis Mitte Mai dauern wird.

Die Aufregung um eine vermeintliche neue Panne stellte sich übrigens als unbegründet heraus. Ein Wegwerfrasierer, der in dem Fahrzeug gefunden worden war, in dem die Gefangenen transportiert werden, hat nichts mit dem Prozess zu tun.