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Arlon: Dutroux-Prozess wird fortgesetzt

Arlon : Dutroux-Prozess wird fortgesetzt

Vor dem Schwurgericht in Arlon wurde am Montag der Dutroux-Prozess fortgesetzt. Die gesamte zweite Woche steht im Zeichen der Vernehmung von Untersuchungsrichter Jacques Langlois.

Er war der Nachfolger von Jean-Marc Connerotte, dem im Oktober 1996 der Fall wegen des Vorwurfes der Befangenheit („Spaghetti-Urteil”) entzogen worden war.

Doch noch vor der Vernehmung des Chefermittlers zog Marc Dutroux neuerlich seine Show ab. Nachdem er eine Woche lang Fotos und Filmaufnahmen seiner Person untersagt hatte, gestattete er dies nunmehr, damit die Verhandlung wieder in Ruhe ablaufen könne.

Letzte Woche waren mehrere Fotografen aus dem Gerichtssaal verwiesen worden, nachdem flämische Zeitungen Bilder des Kinderschänders ohne Balken über den Augen veröffentlicht hatten. Die Foto-Debatte hatte in den letzten Tagen den eigentlichen Inhalt des Verfahrens in den Schatten gestellt.

Erneut gefiel sich Dutroux in der Rolle des Opfers, als er sich beim Gerichtsvorsitzenden Stéphane Goux bedankte, der ihn zum Prozessauftakt am vergangenen Montag gefragt hatte, ob er akzeptiere, fotografiert zu werden: „Danke. Das ist das erste Mal, dass ich danach gefragt wurde.” In all den Jahren seit seiner Verhaftung habe er keine einzige Aufnahme von ihm autorisiert, präzisierte der Angeklagte.

„Auf Polizei eingeredet”

Anlässlich der Befragung von drei Polizeibeamten, die mit den Ermittlungen nach dem Verschwinden von Laetitia Delhez beauftragt worden waren, betonte Dutroux, dass er bei seinem Verhör am 15. August 1996 eine Stunde lang auf die Polizisten einreden musste, bevor sie sich von ihm zum Verlies führen ließen, wo er Sabine Dardenne und Laetitia Delhez festhielt. Er habe dies beschlossen, nachdem sein Haftbefehl für einen Monat bestätigt worden war. „Der Polizist hat geglaubt, ich mache mich über ihn lustig”, so Dutroux.

Untersuchungsrichter Langlois (51) konnte sich danach erstmals nach sieben Jahren öffentlich über seine Arbeit äußern. Er betonte, dass er während der Ermittlungen keinem Druck ausgesetzt gewesen sei - weder von der Polizei, noch von der Justiz, noch von der Politik. „Es steckt keine Staatsräson hinter diesem Dossier”, beantwortete Langlois die vielfach geäußerte Kritik an seiner Arbeit, nicht zuletzt seitens der Eltern von Julie und Melissa.

Er hatte sich von Anfang an geweigert, den unterschiedlichen Indizien und Hinweisen auf ein Pädophilen-Netzwerk nachzugehen und immer die These des Einzeltäters favorisiert. Auch die Verwicklung Michel Nihouls hatte Langlois mit dem Hinweis auf fehlende Beweise stets bestritten.

Vor Dilemma

Die unbeantwortete Frage nach dem Schicksal von Julie und Melissa war auch in Langlois Erklärungen allgegenwärtig. Der Untersuchungsrichter konnte sich dabei nur auf die Aussagen von Dutroux und seiner Ex-Frau Michelle Martin stützen, da es seiner Meinung nach keine objektiven Anhaltspunkte oder Beweise gibt.

Doch seit letzter Woche steht Langlois damit vor einem Dilemma. Denn Marc Dutroux hat seine bisherigen Aussagen zum Tod der beiden damals achtjährigen Mädchen widerrufen und eine ganz neue Version präsentiert.

Entscheidung später

Die Aussagen des Chefermittlers Langlois über den nicht vorhandenen äußeren Druck stehen im Gegensatz zu denen seines Vorgängers Connerotte. Dieser hatte vergangene Woche ausgesagt, während seiner zweimonatigen Untersuchungstätigkeit von der Gendarmerie manipuliert und überwacht worden zu sein.

Georges-Henri Beauthier, der Anwalt von Laetitia Delhez, hat unterdessen eine Ortsbesichtigung der Keller des Dutroux-Hauses in Marcinelles gemeinsam mit den Geschworenen beantragt. In einem versteckten Kellerverlies waren die entführten Mädchen gefangen gehalten worden. Der Gerichtspräsident will über diese Anfrage zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden.