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Linnich: Dunkles Glühen und strahlendes Leuchten

Linnich : Dunkles Glühen und strahlendes Leuchten

Unter dem Motto „Wie herrlich muß es sein, mit der Sonne selbst malen zu können” steht eine Sonderausstellung im Deutschen Glasmalereimuseum Linnich zu dem in Den Haag 1868 geborenen Glaskünstler Thorn Prikker. Seine Name steht für die Wiedergeburt der mittelalterlichen Kathedralglasmalerei, wobei er nicht einfach die alten Techniken (Kombination von Buntglas und Bleirute) neu entdeckte, sondern sie mit zeitgenössischen Tendenzen, insbesondere dem Expressionismus, verknüpfte.

Die Schau, die bis 23. September zu sehen ist, zeigt einen Querschnitt durch das Lebenswerk des Künstlers mit 55 Exponaten, darunter Glasfenster, Gemälde, Mosaiken, Aquarelle, Textil-Entwürfe und Plakate. Realisiert wurde die Ausstellung in Zusammenarbeit mit den Museen in Krefeld, dem Kurhaus Kleve, dem Osthaus Museum in Hagen und anderen Leihgebern.

Das Ornament

Thorn Prikker beginnt mit luministischen Landschaftsbildern, ist geprägt von Symbolismus und Jugendstil, lässt sich inspirieren von van Gogh und dem französischen Impressionismus.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wendet er sich kurz von der freien Malerei ab und sucht soziale Integration im Kunsthandwerk, wobei er Arts & Crafts in Den Haag leitet. Hier findet er sein Motiv: das Ornament. Er will nicht illusionistisch arbeiten, seine Werke sind flächenbezogen. Das Ornament wird ihn Zeit seines Lebens begleiten.

1904 verlässt er die Niederlande, denn er fühlt sich dort als Künstler mißverstanden. Er zieht nach Krefeld und lehrt später auch in München, Düsseldorf und Köln. Prikker lernt 1909 den Berliner Glasmaler Gottfried Heinerdorff kennen, mit dem er bis 1923 zusammenarbeitet und kommt durch ihn mit der Glasmalerei in Berührung, die ihn fasziniert und von da an nicht mehr loslässt.

Um 1910 entwickelt er zusammen mit Heinersdorff eine völlig andere Gestaltungsweise: Es kommt zu einer Abkehr von der an der Tafelmalerei orientierten Glasfenstergestaltung. Das Malen mit Schmelzfarben auf Glas wird durch das mosaikartige Gestalten, also das Malen mit bereits durchgefärbten Echtantikglas abgelöst. Es entsteht eine neue expressive Bildkomposition mit intensiver Farbkraft.

Seine erste Glasmalerei ist ein monumentales Bahnhofsfenster der Stadt Hagen von 1911. Thorn Prikker kommt mit dieser Glasmalerei dem Puls der Zeit nah - dem vorherrschenden Expressionismus mit der Betonung des Eigenwertes von Form und Farbe.

„Ecce Homo”

Es entstehen Farblichträume, die der damaligen Sehnsucht nach einer neuen Spiritualität entsprechen. Seine Technik und seine Beschränkung auf die Grundkontraste verleihen den Farben eine stärkere Ausdruckskraft. Er gliedert die Bildflächen durch expressive Bleirutenführung, wie die Exponate der Ausstellung beweisen.

Ein weiterer Blickfang der Ausstellung ist das Werk „Ecce Homo” von 1913, entstanden für die Weltausstellung in Gent. Es zeigt den leidenden Christus mit der Dornenkrone und dem Herz Jesu, welches betont wird durch den Einsatz dicker Glasbrocken. Das Schwarzlot dient hier dem Atmosphärischen: Einige Farben werden durch den Auftrag von Schwarzlot gedämpft, die anderen leuchten umso dramatischer auf.

Nach dem ersten Weltkrieg findet ein Wandel in seiner Formensprache statt. Seine früheTendenz zur Abstraktion reift in den 20er Jahren zu einer Stilrichtung, die Ornament und Symbol (überwiegend christlicher Art, wie Kreuz oder Fisch) in asketischer, zum Teil mehrfach gespiegelter Geometrie zeigt. So werden einige Fenster zu kaleidoskopartigen Meditationsbildern.

Eines seiner bedeutendsten Werke ist der 1928/30 entstandene Fensterzyklus für die St. Georg Kirche in Köln. Hier entsteht eine architektonische und künstlerische Harmonie des Innenraums durch das Zwischenspiel von strahlendem Aufleuchten und dunklem Glühen der Farben. Sein Spätwerk ist geprägt von abstrakter Farb- und Formsymbolik. Das Werk „Orange” von 1931 als gegenstandslose Meditationstafel zeigt sich als Höhepunkt seiner geometrischen Reduktion.

Johan Thorn Prikker schuf ein Fundament für viele nachfolgende Künstler durch seine Werke und seine Lehrtätigkeit. 1932 stirbt er in Köln.