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Aachen: Dummheiten der Welt mit Wortwitz demaskiert

Aachen : Dummheiten der Welt mit Wortwitz demaskiert

Rund anderthalb Jahre hat es gedauert, bis der Aachener Kabarettist Wendelin Haverkamp sich endlich ein Heimspiel erlaubte.

„Zugegeben” heißt das aktuelle Programm, mit dem der Lokalmatador auch am Mittwochabend noch einmal auf der Bühne des Grenzlandtheaters in der Elisen-Galerie auftritt.

Wieweit Haverkamps Wort-Kunst ihm im Verlauf seiner 25-jährigen Karriere zur Volkstümlichkeit verholfen hat, zeigte schon bei der Aachen-Premiere am Montag der Querschnitt des Publikums: Da saß der Konsul neben dem Rentner, und Akademiker klopften sich ebenso auf die Schenkel wie der kleine Angestellte rechts daneben.

Denn etwas hat Haverkamp im Verlauf des zurückliegenden Vierteljahrhunderts zur Meisterlichkeit perfektioniert und kombiniert: Das solide Wissen um das, was die Welt im Innersten zusammenhält, verbindet er mit messerscharfer Beobachtungsgabe dem Alltag gegenüber und der Gabe, das Ganze so zu verquirlen, dass es dem Publikum trotz aller Gedankentiefe runtergeht wie toskanisches Olivenöl.

Das Augenzwinkernde ist Haverkamps Metier. Wenn der Kabarettist als „Edukator” Anton Hinlegen aus dem reichen Erfahrungsschatz seiner beruflichen Vergangenheit schöpft und Typen wie den Sportlehrer Kreuzbein, den suffseligen Monsignore Stramm und die zarte Musik-Dame Müller-Siebenknick erstehen lässt - wer wäre da im Saal, der diese Aberwitzigkeiten nicht aus seiner oder seiner Sprößlinge Erfahrung kennen würde?

Für „Zugegeben” hat er die besten Nummern aus den vergangenen 25 Jahren zu einem „Allerbestof” zusammengestellt hat. Aber er ist auch ein Sprachartist, wenn es nach bester Narren-Tradition darum geht, die Dummheiten dieser Welt zu demaskieren. Dann läuft der große Kleinkünstler aus dem Jakobsviertel zur Hochform auf, entlarvt die OECD-Studie zum Bildungsstand in Deutschland als allzu wirtschaftsfreundlich, kommt auf die Trivialität der Massenmedien und ruft hinterher, wie um den Kreis zu schließen: „Wer Blödheit sät, wird Idioten ernten!”

Wendelin Haverkamp - das darf nicht vergessen werden - ist aber auch Musiker. Die Liebe zu Rock und Blues währt sogar schon länger als die zum Kabarett. Also gab der Star des Abends, unterstützt von dem ihm seit Jahrzehnten in augenzwinkernder Männerfreundschaft verbundenen „Generalmusikdirektor” Freddy Matulla am Keyboard, einige Songs und Instrumentaltitel zum Besten. Das Publikum quittierte das mit viel Beifall. Und der fiel so kräftig aus, dass am Ende drei Zugaben auf der Habenseite standen.