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Düren: Düren hebt einen Kölner Kunstschatz

Düren : Düren hebt einen Kölner Kunstschatz

Und wieder ist dem Leopold-Hoesch-Museum in Düren, namentlich seiner Direktorin Renate Goldmann, eine Entdeckung gelungen, die es in sich hat: eine hochkarätige private Kölner Sammlung amerikanischer und europäischer Malerei, die bislang noch niemals öffentlich ausgestellt war.

„Artist‘s Painters“ heißt die Präsentation, darunter ein umfangreichen Werkblock des belgischen Malers Pierre Alechinsky, Mitglied der internationalen Künstlergruppe Cobra — insgesamt 190 zum Teil riesige Gemälde und Papierarbeiten.

Rupprecht Geiger, Gerhard Richter, Robert Rauschenberg — mit kleineren Werken dieses ungleichen Trios beginnt der Kölner Dirk Schroeder in den siebziger Jahren, eine Kunstsammlung aufzubauen, die mit der Zeit kolossale Formen annimmt. Seine zweite Frau, eine Amerikanerin, macht Schroeder, im Hauptberuf Rechtsanwalt, Partner einer internationalen Anwaltssozietät mit Stammsitz in New York, Mitte der achtziger Jahre mit der amerikanischen Kunstszene in Köln bekannt.

„Hunger nach Bildern“

Es ist die Zeit, als die Stadt am Rhein wie keine andere deutsche Kunststadt boomt, sei es Düsseldorf, München oder Berlin. Die wachsende Bedeutung der Kunstmesse Art Cologne, der internationale Erfolg von Kasper Königs Großausstellung „Westkunst“, eine lebendige, junge Galeristenszene mit international bekannten Größen wie Paul Maenz und Michael Werner, die Erfolgswelle der Mülheimer Freiheit mit dem „Hunger nach Bildern“ — all das macht Köln zu einem attraktiven Anziehungspunkt von Schweizer, tschechischen, österreichischen, dänischen und eben auch amerikanischen Künstlern.

Ira Bartell, 1954 geboren in Dallas, der heute noch in Köln lebt, lacht amüsiert, wenn er erzählt, warum er damals in die Domstadt kam: „In New York war einfach kein Platz, es gab keine großen Ateliers, und wenn, dann waren sie unbezahlbar.“ Detroit, das war Anfang der Achtziger eine angesagte Adresse für Künstler, dort gab es große Räume. „Aber da musste man immer eine Pistole bei sich haben“, sagt er. „Das war ein viel zu gefährliches Pflaster.“ Von Georg Jiri Dokoupil, dem Mitglied der Kölner Künstlergruppe Mülheimer Freiheit, bekam er schließlich das entscheidende Angebot: „Ein 260 Quadratmeter großes Studio.“ Mietpreis pro Monat: 175 Dollar.

Ira Bartell besuchte am Donnerstag bereits das Leopold-Hoesch-Museum zusammen mit Greg Kwiatek, 1948 geboren in Pittsburgh. Die anderen Kollegen der Ausstellung „Artist‘s Painters“, die zum Teil wieder in den USA leben, werden am Sonntag zur Eröffnung eintreffen. Alle hatten in den achtziger Jahren ein Atelier in Köln.

24 Jahre Nachtwächter

24 Jahre lang war Greg Kwiatek hautnah umgeben von Kunst — als Nachtwächter im Metropolitan Museum of Art in New York, dem größten Kunstmuseum der USA mit einer der bedeutendsten kunsthistorischen Museen der Welt. Das färbt ab!

Seine großformatigen Bilder können den Einfluss nicht verheimlichen — im Gegenteil: Sie wollen es auch gar nicht. Die einsamen Nächte in dem 130 000 Quadratmeter großen Museum und die Nähe zu all den Heroen der Malerei — all das mündete unter dem Pinsel von Kwiatek, der selbst Malerei in seiner Heimatstadt studierte, in „Moonbilder“.

„Mondbilder“ nach Monet, Velázquez, Cézanne und wie sie alle heißen. Der Himmel über Monets Garten von Giverny mit einem milchig leuchtenden Mond — Greg Wiatek hat ihn gemalt, riesengroß. Der Mondhimmel nach El Greco — die 24 Nachtwächter-Jahre haben auch hier die Hand des amerikanischen Malers geführt: ganz im Stile des spanischen Griechen.

„Ich muss groß denken, und das kann ich nur in großen Räumen“, sagt Ira Bartell, der in seinen gewaltigen Formaten Elemente einer Theaterbühne versammelt, spirituell sanft, aber effektvoll beleuchtet, der seelischen Zuständen symbolisch Ausdruck gibt mit ausbalancierten Kreiseln oder den Blick richtet in diffuse, unendlich tiefe Räume.

Breites Spektrum der Malerei

Ein breites Spektrum der Malerei bildet dieser Sammlungsausschnitt im Hoesch-Museum ab — vom abstrakten Expressionismus einer Cora Cohen, 1942 geboren in New York, bis zum Hyperrealismus des in Köln lebenden Künstlerduos Alice Stepanek und Steven Maslin, dessen Werke auch zur Kollektion Schroeder gehören. Ihre Landschafts- und Waldgemälde mit ihren irritierenden Perspektiven und Spiegelungen, sie verströmen einen geheimnisvollen, magischen Ausdruck.

Ob Chris Newman bei seinem Bild „Untitled“ von 2011 den toskanischen Wein Montepulciano bei seiner künstlerischen Arbeit schlicht vergossen oder ganz gezielt eingesetzt hat, ist nicht überliefert, jedenfalls legt der Londoner Künstler Wert darauf, dass neben Acryl und Graphit auch der Rotwein seinen Weg auf die Leinwand gefunden hat. Das entnimmt man der achtteiligen Katalogkassette, die im Übrigen 98 Euro kostet, aber leider nur auf Englisch erschienen ist.

Und mit Pierre Alechinsky, dem 1927 geborenen, heute in Paris lebenden Brüsseler, begegnet dem Kunstfreund das Werk eines Cobra-Künstlers, angesiedelt zwischen Abstraktion und grober Figuration mit grafischer Prägung, das man in dieser Fülle auch nicht alle Tage sieht.