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Aachen/Eindhoven: Dudelsack als Glanzpunkt im Sinfoniekonzert

Aachen/Eindhoven : Dudelsack als Glanzpunkt im Sinfoniekonzert

Bei der Philips-Forschung im niederländischen Eindhoven sorgt sie als „Senior Scientist” dafür, dass die Mikrochips für Mobiltelefone und andere sensible Geräte noch besser werden: Francoise van Leersum ist Ingenieurin, aber ihre große Liebe gilt im Privatleben dem Spiel auf dem Dudelsack.

Beim 7. Sinfoniekonzert am 14. und 15. Mai, 20 Uhr, im Aachener Eurogress wird sie als Solistin das Orchester unter der Leitung von Gerd Müller-Lorenz bereichern. Wir sprachen mit Francoise van Leersum.

Als kleines Mädchen war sie mit ihren Eltern in Schottland - diese Ferien hatten musikalische Folgen. „Ich war tief beeindruckt von den Dudelsackspielern dort”, erzählt die heute 32-Jährige, die in Eindhoven bei der Philips-Forschung arbeitet.

Für sie stand fest: Der Dudelsack muss es sein. 20 Jahre ist das bereits her, damals war sie eine der jüngsten Musikerinnen ihrer Art in den Niederlanden. Frauen am Dudelsack, eine Rarität? „Ja, bis heute”, weiß sie. „Besonders ältere Schotten glauben nicht, dass Frauen genauso gut spielen können wie Männer. Sie behaupten, Frauen hätten einfach nicht die Konstitution dazu, aber das stimmt nicht.”

Am Urlaubsort gab es eine „Junior Pipe Band”, bei der die Familie sehen konnte, wie prima das mit Kindern und Jugendlichen klappt. „In den Niederlanden existierten tatsächlich zwei Bands dieser Art, und in eine durfte ich gehen. Da hat man mich auch unterrichtet”, so Francoise van Leersum, die inzwischen selbst zwei Schüler in die Dudelsack-Geheimnisse einweiht.

In Aachen, wo sie im vergangenen Jahr als Mitglied der Coriovallum Pipe Band beim Rheinischen Musikfest mitgewirkt hat, wird sie beim 7. Sinfoniekonzert (Motto: „Wilde See”) unter der Leitung von Gastdirigent Gerd Müller-Lorenz auftreten.

Klänge der Heimat leben weiter

Das Werk „An Orkney Wedding with Sunrise” stammt von dem schottischen Gegenwartskomponisten Sir Peter Maxwell Davies. Er lebt auf den Orkney Inseln, ist ein Traditionalist seines Landes, der zugleich neue Wege sucht, um die Klänge der Heimat in Kompositionen weiter leben zu lassen. „An Orkney Wedding” ist so ein Stück.

„Man hört genau, wie diese schottische Hochzeitsgesellschaft immer turbulenter feiert, bis schließlich ein großes Durcheinander entsteht und alle betrunken sind”, erzählt die Dudelsack-Spielerin, die das Stück bereits einmal auf der Bühne gespielt hat. „In Eindhoven als Solistin beim Brabants Orkest”, erinnert sie sich.

Damals hatte sie vom Konzert-Programm erfahren, hatte Karten für sich und die Familie gekauft - und plötzlich kam der Anruf, ob sie den Solopart übernehmen würde. „Eine echte Herausforderung, der ich natürlich nicht widerstehen konnte”, gesteht sie. „Das war witzig, der Dirigent hatte sich sogar eine Flasche Whiskey aufs Podium gestellt.” „Sunrise”, also der strahlende Sonnenaufgang nach der durchzechten Nacht, ist „der” Moment für den Dudelsack.

Nicht jedes Instrument und nicht jeder Spieler sind geeignet, den Dudelsack „Orchester-verträglich” zu spielen, denn der gängige „Highland Bagpipes”-Interpret passt mit seiner üblichen Spielweise nicht zum Orchesterklang - eine Frage der Tonart. Auch die Aachener waren froh, dass sie Francoise van Leersum fanden, die über die notwendige Adaption verfügt.

Hat die Dudelsack-Spielerin, die ganz fesch im Kilt normalerweise in der Gruppe marschiert, Probleme, auf einen Dirigenten zu schauen? „Eigentlich nicht”, sagt sie.

„Bei uns gibt es zwar den Head-Master, der bei der Pipe Band, wenn sie steht, den Takt schlägt, aber ich habe ja bereits mit Orchesterleitern wie André Rieu gearbeitet, der Stücke mit Dudelsack sogar auf seiner neuen CD integriert hat.” Also ganz neue Chancen für das in Musikerkreisen nicht selten belächelte Instrument, das längst Sinfoniekonzert-Qualität hat.