Gelesen: Drei Krimis aus Köln bieten Spannung

Gelesen: Drei Krimis aus Köln bieten Spannung

Sie spielt seit 30 Jahren Golf und lebt seit 30 Jahren in Köln. Beides verbindet die in Kiel geborene Journalistin und Psychologin Maren Friedlaender in ihrem Krimi-Debüt „Rheingolf“ gekonnt miteinander.

Die taffe Kommissarin Theresa Rosenthal und ihr berufsjugendlicher Kollege Marco Bär ermitteln im Fall der Enthüllungsjournalistin Julia Buenlago, die erschlagen aufgefunden wird – im Mund einen Golfball.

Mit viel Sinn für Ironie beschreibt Friedlaender die Mitglieder des (fiktiven) Clubs Siebeneichen, wo Ärzte, Arbeitgeber und Anwälte ums Handicap wetteifern und ihre Affären pflegen, derweil ihre Gattinnen dafür das ein oder andere Jahreseinkommen lokaler Mittelständler zum Schönheitschirurgen tragen. Auch das Prinzip „kölscher Klüngel“ ist der Wahlkölnerin bestens vertraut, und sie kann mit wohl gezielten Seitenhieben auf die Verfilzung von Politik und Wirtschaft punkten. Außerdem lernt man noch eine Menge über eine Sportart, die man zuvor vielleicht mit einer gewissen Skepsis betrachtet hat.

„Schlüssel 17“

Marc Raabe hingegen ist gebürtiger Kölner und im Schreiben von Thrillern bereits versiert. „Schlüssel 17“ ist sein vierter Nervenkitzler.

Der Auftakt der neuen Serie um den LKA-Ermittler Tom Babylon spielt jedoch in Berlin. Erzählerisch wechselt das zwischen den Jahren 1998 (fünf Jugendliche finden eine Leiche auf dem Grund des Teltow-Kanals) und 2017 (Pfarrerin des Berliner Doms wird sadistisch ermordet und grotesk in der Kathedrale zur Schau gestellt). Bindeglied sind Babylon, der damals einer der fünf Jugendlichen war, und ein Schlüssel mit der eingravierten Nummer 17, der beide Todesfälle begleitet.

Der Plot des Romans erinnert an „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“, die Details sind ziemlich grausig und Gift für zarte Gemüter. Wissen, was es mit dem Schlüssel auf sich hat, will man aber trotzdem. Und was geschah mit Toms kleiner Schwester Viola, die 1998 spurlos verschwand? Wer also auf Horrorfilme und Thomas Harris-Thriller steht, sollte unbedingt nach „Schlüssel 17“ greifen.

„Der Tod bohrt nach“

Auch eine Zugereiste: Isabella Archan, die vor fast 20 Jahren aus Graz nach Köln kam, sich in die Stadt am Rhein verliebte und blieb. „Der Tod bohrt nach“ ist der dritte Fall ihrer Heldin Dr. Leocardia Huberta Cardiff, genannt Dr. Leo.

Diesmal muss die impulsive Zahnmedizinerin mit der Vorliebe für High Heels, Pralinen und mörderische Verstrickungen klären, was mit Studentin Annika aus Köln-Deutz geschah. Auch Dietrich, Annikas Nachbar (und einer von Leos Patienten), ist unauffindbar. Vorerst. Neulinge finden sich schnell zurecht. Mit wenigen Worten skizziert Archan ihre Heldin und deren „verbohrte“ Welt.

Der Plot nimmt gegen Ende rasant Fahrt auf, mindestens ebenso vergnüglich sind die inneren Monologe der Heldin und deren Talent, sich immer wieder in absurde Situationen zu bringen. Und eine hinreißende Hommage ans Sujet der „Screwball Comedy“ ist auch noch drin. Das Buch garantiert auf fast jeder Seite ein Schmunzeln, ohne jedoch ins allzu Seichte abzugleiten.

(sus)
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