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Aachen: Die Träume vom tapferen Zorro

Aachen : Die Träume vom tapferen Zorro

Rückbesinnung auf verlorene Werte beginnt im Film meist dramatisch: Ein Herzinfarkt streckt den 42jährigen Rafael, den für den Titel verantwortlichen „Sohn der Braut” (Argentinien 2001, El Hijo de la Novia, 124 Min.), nieder.

Es war einfach zu viel: Das schlecht laufende Restaurant in Buenos Aires, die Beziehung zur jüngeren Naty, die Tage mit seiner kleinen Tochter aus einer früheren Ehe und vor allem die unter Alzheimer leidende Mutter, die Rafaels Vater Nino endlich auch kirchlich heiraten will.

Das haben die beiden nämlich vor 44 Jahren vergessen und nun hat es sich Nino in den Kopf gesetzt, dies ausgerechnet in Italien nachzuholen. Bislang hat Rafael seine Mutter im Heim nur zum Geburtstag besucht. Mit seinem Handy sprach er dagegen fast durchgehend.

Das einzige Glück in bunten Fantasien

Das einzige Glück findet der gehetzte Restaurantchef anscheinend in der Vergangenheit, in Tagträumen, die einen jungen Rafael als tapferen Zorro zeigen. Nun liegt der gestresste Mensch unserer Zeit gar nicht heldenhaft flach und muss auch noch den Besuch eines aufdringlichen alten Freundes ertragen.

Aber wie oft vereinigt so eine „Filzlaus” schlechtes Gewissen und die Lösung für viele Probleme in sich. Nachdem „Der Sohn der Braut” in Argentinien und Spanien ein großer Erfolg war, eroberte er als Oscar-Kandidat des Landes international die Herzen.

Regisseur Juan José Campanella erzählt seine gefühlvolle Geschichte mit Humor und genauem Blick auf die Figuren. Dabei wurden Elemente dieser Geschichte durchaus schon in vielen TV-Soaps durchgenudelt.

Die Balance zwischen Klischees und feinen Nuancierungen, die dieser Film versucht, muss jeder für sich selbst begehen. Auf jeden Fall ist „Der Sohn der Braut” nicht die übliche Komödien- und Familien-Kost. Der argentinische Erfolgsfilm verbindet passend zur Jahreszeit leichte Unterhaltung und Nachdenken über den Sinn all unserer Geschäftigkeit.

In dem gleichfalls angelaufenen Film „Unloved” (Japan 2001 Regie Kunitoshi Manda mit Yoko Moriguchi, Toru Nakamura, Shunsuke Matusoka, 117 Min. FSK ab 12) muss sich die bescheidene Japanerin Mitsuko zwischen zwei Männern entscheiden.

Sie nimmt ihre Aufgabe anfangs leicht, doch sowohl der erfolgreiche Eiji als der verträumte Nachbar Hiroshi kämpfen um sie. Die Dreiecksgeschichte erzählt in hypnotisierenden Bildern und verhaltenen Gesten.