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Aachen: Die Suche scheint das Ziel zu sein

Aachen : Die Suche scheint das Ziel zu sein

Kaltes Licht, fremdartige Klänge, schattenhafte Gestalten, eine Tür wird auf die Bühne getragen - das Publikum in den Kammerspielen des Theaters Aachen muss die vielfachen Eindrücke erst mal sortieren.

Out of Utopia, also fern der Utopie scheint sich „Outopia”, das avantgardistische Projekt von Massimo Gerardi und Emanuele Soavi, zu bewegen; ein Prozess, der erst nach etwas Anlaufzeit die Besucher in den Bann zieht.

Choreographen, Komponisten, Tänzer und Schauspieler wie bildende Künstler machen ihre Arbeitsmethode zum Programm: Die Suche nach der Insel Outopia, einem Ort, an dem die Welt völlig neu gestaltet werden kann, lässt alle Beteiligten zunächst stranden. Denn wie kann man neu beginnen, ohne das „alte” Leben aufzugeben? Das zu hörende Sprachengewirr aus verschiedenen Nationen mutet hier nicht bizarr an, sondern beschwört die Kraft der Fantasie.

Der Regisseur und Schauspieler Achim Conrad wagt sich sogar in die (lautmalerischen) Stürme von Homers „Odyssee”, die ja den Menschen als Schiffbrüchigen und ewig Suchenden zum „Helden” macht. Kaum Requisiten braucht die Tanzkompanie aus Köln - flatterndes Papier und Papiermasken, ein Seil, das Verstrickungen andeutet, und den festen Halt der Telefonleitung, fein komponierte Farben in den Kostümen und die unglaubliche Gestaltungskraft der Künstler führen in ein kreatives Gesamtkunstwerk.

Gewöhnungsbedürftig wirkt anfangs die atonale Musik der Münchner Erfinder, Konstrukteure und Musiker Hilke Fährmann und Jürgen Schneider, die ihre ungewöhnlichen Klangbilder eigens für „Scapha”, ein zehn Meter langes Saiteninstrument, komponiert haben.

Die Tänzer, unter ihnen auch die „Macher” Massimo Gerardi und Emanuele Soavi, scheinen sich zuweilen wie in Trance zu bewegen. Das Kreatürliche und das existenzielle Ringen der Bewegungskünstler (Lisa Gropp, Ro-main Guion, Yanaika Holle, Anne Jung und Nao Tokuhashi sowie das leitende Trio) lassen sogar an die Tänzerin Pina Bausch denken.

Nach 70 Minuten wurde das Kölner „Outopia”-Team mit Beifall überschüttet.