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Köln: Die strahlenden Sieger im virtuellen Monopoly

Köln : Die strahlenden Sieger im virtuellen Monopoly

Ein renommierter Markenname zählt heute mehr als die ausgefeilteste Marketing-Strategie. Doch ist die richtige Internetadresse in Zeiten von E-Commerce mittlerweile ebenso kostbar. „Bahn.de”, „bild.de”, „aachen.de” - knapp, gut zu merken und aussagekräftig müssen sie sein.

Doch sind Erfolg versprechende Domainnamen ein sehr begrenztes Gut und alle bereits seit langem vergeben, was sich der Kölner Tim Schumacher zu Nutze machte.

Zusammen mit zwei Kommilitonen gründete er im Januar 2000 die SEDO (Search Engine for Domain Offers) GmbH und wechselte damit nahtlos vom Uni-Hörsaal in den Geschäftsführersessel über. Mittlerweile ist SEDO globaler Marktführer in Sachen Domaintransfer, beschäftigt 30 Angestellte samt fünf Auszubildenden und ist seit kurzem auch in den USA vertreten.

„Es ist immer besser, einen guten Namen zu kaufen, anstatt einen schlechten günstiger registrieren zu lassen”, erklärt der 27-Jährige das Grundprinzip des Domainhandels, über das er bereits nach sieben Semestern sein BWL-Studium abschloss. Und trotz einiger Startschwierigkeiten war das entwickelte Konzept so überzeugend, dass sich Deutschlands größter Webhoster, die United Internet AG, nach einem Jahr einkaufte und SEDO in der Phase der niedergehenden New Economy unterstützte. Mit Erfolg, denn seit Anfang 2002 arbeiten die Kölner profitabel und können auf starke Zuwächse in den vergangenen beiden Jahren verweisen - Tendenz weiterhin steigend.

Einfache Endungen

Zwar sind den Kombinationen in den Adressleisten keine Grenzen gesetzt - wohl aber dem bequemen menschlichen Gedächtnis, das die Adresse beispielsweise aus einem Firmennamen direkt ableiten möchte. Genau diese Bequemlichkeit schränkt auch die Auswahl der Endungen stark ein: „In Deutschland geht man automatisch von .de-Endungen aus, weil man dort auf deutsche Inhalte treffen möchte. Bei internationalen Unternehmen kommt dann noch .com hinzu, aber alle anderen Suffixe machen hier zu Lande keinen Sinn”, erklärt Schumacher.

Deshalb hätten die zusätzlich eingeführten Endungen wie „.biz” auch kaum Auswirkungen auf den deutschen Markt gehabt und die einschlägigen „.de”-Adressen ihren Wert klar behauptet.

Denn auf weiterhin steigenden Werten der Adressrechte basiert das Kerngeschäft der Handelsplattform: Während der Kunde sich nur um wenige Unterschriften kümmern muss, übernimmt SEDO die komplizierte Abwicklung der Domainübertragung über die Provider und kassiert dafür letztlich eine Provision, die sich nach dem Verkaufspreis richtet.

Zweistelliger Millionenbereich

Bei derzeit rund 600 erfolgreich abgeschlossenen Transaktionen und einem Handelsvolumen von mehr als einer Million Euro pro Monat ist der Umsatz seit diesem Jahr im zweistelligen Millionenbereich angekommen, wobei der Durchschnittspreis bei rund 1600 Euro pro Domain liegt.

Daneben hat sich die GmbH zur führenden Informationsplattform in Marktentwicklung und Rechtsprechung entwickelt und bietet potenziellen Kunden Wertgutachten für ihre Domainnamen an. „Wir greifen auf aussagekräftige Statistiken unserer bisherigen Transaktionen sowie wissenschaftliche Kenntnisse zurück und wollen den Kunden vor Überschätzung oder Übervorteilung bewahren”, sagt Schumacher.

Dass ein Verkauf aufgrund übersteigerter Erwartungen dennoch danebengehen - und SEDO damit um die Provision bringen - kann, zeigt der aktuelle Fall um www.kerryedwards.com. Damit wollte ein Kerry Edwards aus Indianapolis Profit aus dem Wahlkampf der Demokraten schlagen und bot seine Adresse an, worauf ein Interessierter vor der Versteigerung 150.000 Dollar bot. Edwards, nun vom Spielfieber gepackt, wollte mehr und setzte den Startpreis bei SEDO gegen Schumachers Rat auf eben diesen Preis fest.

Die Folge: Die hohe Summe schreckte andere ab und der Erstbieter zog sein Gebot zurück. Dazu Schumacher: „Letztlich sah Edwards keinen müden Cent, doch war die Aktion für ihn und besonders für uns ein riesiger PR-Erfolg, der bis in die TV-Shows reichte.”

Büro in Boston

Ein Glücksfall für das Unternehmen, das gerade ein zehnköpfiges Büro in Boston eröffnete. „Es ist eine absolute Notwendigkeit, in den USA - auf dem weltweit größten Domainmarkt - präsent zu sein, wenn wir weiterhin global bestehen wollen”, gibt sich Tim Schumacher realistisch.

Auch wenn mit einem 750.000-Dollar-Transfer gerade erst ein neuer Firmenrekord aufgestellt wurde. Noch sei die US-Konkurrenz zwar kleiner, doch sollte man in den Staaten nicht Fuß fassen, sei die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass US-Firmen in den Europamarkt einbrächen und SEDO hinausdrängten.

Wie Grundstücke

Doch ist man durch eine neue Geschäfts-Idee dagegen gewappnet: „Websites sind wie Grundstücke, wir sind die Makler und wenn das Grundstück brach liegt, dann pachten wir es und stellen einfach Werbeschilder drauf”, beschreibt der Kölner das Konzept. Virtuell heißt das, dass SEDO die Seite bis zum Verkauf mietet und themenverwandte Verlinkungen auf die Seite stellt.

Dadurch taucht die sonst nutzlose Seite auch in Suchmaschinen auf, wird bekannter und durch höhere Zugriffszahlen im Preis gesteigert. Möglich macht dies die Kooperation mit Google, ihrerseits marktführende Suchmaschine.

Mögliche Gefahr

Doch genau in den stetig verbesserten Suchmaschinen sieht der SEDO-Gründer eine mögliche Gefahr der Zukunft für sein Unternehmen: „Viele Internetbenutzer suchen bald gar nicht mehr die einschlägige Homepage zuerst auf, sondern spüren über die Stichwortsuche der Maschine direkt die richtige Unterseite mit den gewünschten Informationen auf, um diese gezielt anzuklicken”, prognostiziert der Fachmann.

Doch sieht er dies gelassen, da sich die Benutzer nach wie vor die Adresszeile ansehen würden, bevor sie klicken. „Ein guter Name weckt eben mehr Vertrauen als eine Zahlenkombination”, erklärt Schumacher. „Außerdem geht man fast automatisch davon aus, dass der Anbieter mit dem besten Adressnamen auch die meiste Kompetenz in seiner Branche hat.”