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Aachen: Die Pflicht des Ingenieurs in Hightech-Zeiten

Aachen : Die Pflicht des Ingenieurs in Hightech-Zeiten

Zukunft beginnt bei uns, so lautet der selbstbewusste Slogan der RWTH. Darin steckt mehr Wahrheit als es auf den ersten Blick scheint. Um die Zukunft von Technik und Gesellschaft ging es jetzt bei einer Podiumsdiskussion der Aachener Stiftung Kathy Beys und des Umwelt-Forums der RWTH.

Die gehört zu den führenden technischen Hochschulen in Deutschland, sie wirbt die meisten Drittmittel ein - und weist darauf in ihrer Außendarstellung auch gerne hin. Michael Jischa, Präsident der Deutschen Gesellschaft des Club of Rome, sagte in seinem Vortrag - ohne Namen zu nennen - es sei „katastrophal, die Güte einer Uni nur am Drittmittelaufkommen festzumachen”.

„In fataler Weise”

Gerade an den Hochschulen müsse mehr Wert auf die Grundlagen gelegt werden, sowohl in der Forschung als auch in der Lehre. Es sei falsch, immer den neuesten Trends und damit den Finanzspritzen aus der Industrie hinterher zu hecheln. Da hätten die Hochschulen „in fataler Weise” falsch reagiert. Jischa kritisierte: „Es gibt Professoren, die betrachten ihr Institut als staatlich subventioniertes Ingenieurbüro.” Den Ingenieuren komme im Zeitalter der Hochtechnologie eine große Bedeutung und damit auch eine große Verantwortung zu.

„Die Technik ist unser Schicksal”, so Jischa. In der Forschung werde bestimmt, in welche Richtung sich eine Gesellschaft entwickele. Eben diese Richtung dürfe nicht allein von der Industrie auf dem Wege der Drittmittelvergabe bestimmt werden. Nie zuvor habe es eine Zeit gegeben, in der die Menschen so wenig über ihre Zukunft gewusst hätten wie heute. Hinzu komme, dass Lebens- und Arbeitswelt immer unübersichtlicher würden. Der Clausthaler Professor zitierte den Technikphilosophen Jacques Neirynck: „Die Technik ist die Antwort, aber wie lautet eigentlich die Frage?”

Der Club of Rome war es, der 1972 mit seinem Bericht „Grenzen des Wachstums” nachhaltig die Wachstumsmanie der westlichen Welt kritisierte. Daran knüpfte der Genfer Professor Walter Stahel an. In einer Zeit, wo viele (wieder) eine Steigerung des Bruttoinlandsprodukts als einzig mögliche Rettung aus der Krise betrachten, fordert er den Ressourcenverbrauch in den Industrieländern auf ein Zehntel des heutigen Wertes herunterzufahren.

Waschen bei 20 Grad

In allen Bereichen der Technik bestünden noch große Entwicklungspotenziale. Als Beispiel nannte er Enzyme in Waschmitteln, die es ermöglichen, Wäsche bei 20 Grad Wassertemperatur zu waschen. So könnten 90 Prozent der Energie, die Waschmaschinen benötigen, eingespart werden. Die Potenziale gelte es aufzuspüren. Dazu müssten ungewöhnliche und ungewohnte Wege eingeschlagen werden.

An einer Hochschule wie der RWTH sollten Appelle wie die von Jischa und Stahel auf fruchtbaren Boden fallen - dort beginnt schließlich die Zukunft.