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Würselen: Die Musik fährt bis in die Sohlen hinein

Würselen : Die Musik fährt bis in die Sohlen hinein

Multikulturell bis ins Mark: Die Musik der Formation „Zap Mama” und ihrer Frontfrau Marie Daulne vereinigt europäisch-amerikanische Hip-Hop-Elemente mit afrikanischen Elementen und orientalischen Zitaten.

Eine kräftige Kostprobe von diesem aufregenden Mix genehmigte sich jetzt das Publikum auf der nahezu ausverkauften Burg Wilhelmstein in Würselen-Bardenberg.

Publikum tanzt mit

Rund zwei Stunden ohne Pause: Die Sängerin, eine Belgierin aus Brüssel mit wallonischen und kongolesischen Wurzeln, und die neun anderen Musiker ihrer Band versetzten ihr Publikum mühelos in Dauerspannung.

Konventionellen Show-Kriterien genügte „Zap Mamas” Auftritt in keiner Weise, denn die Grenzen zwischen denen auf der Bühne und denen auf den Rängen verwischten sich zunehmend. Denn distanziertes Entgegennehmen irgendwelcher vom Podium nach unten gereichter Darbietungen lässt Marie Daulnes charismatische, temperamentvolle Persönlichkeit einfach nicht zu.

Sie liebt es, die Menschen in ihre komplexen Klangwelten, in denen sich Afro-Beat, New Soul und etliches mehr mischen, zu verstricken. Das ist der dynamischen Frau in Bardenberg ziemlich gründlich gelungen.

Brüssel trifft Kinshasa

Dies liegt zum einen daran, dass „Zap Mama” mehr machen als nur Musik zum Hinhören. Ihr Sound erweist sich - gelenkige Knochen vorausgesetzt - als extrem tanzbar. Die Klänge fahren bei den Ohren in den Körper hinein und haben ihn bei den Sohlen noch immer nicht verlassen. Denn was Madame Daulne & Co. mit Stimme und Instrumenten fabrizieren, ist Musik für Leib und Seele.

New York trifft Brüssel und Kinshasa - und wenig später scheint der magische Klangteppich schon über das Taj Mahal, von dem Sitar-Klänge nach oben wehen, davon- zufliegen. Die Zehn von „Zap Mama” machen mit der Multikulturalität, die in der Politik längst zur Parole verkommen ist, Ernst. Sie schicken ihr Publikum auf einen Trip, der heilsamer und nahrhafter ist, als es Drogen jemals sein können.

Dieser Auftritt war aber nicht nur ein Konzert - er war auch ein Ritual. Als ebenso wichtig wie Töne und Texte erwiesen sich die beschwörenden Gesten und andere körperliche Zeichen. Zeichen sind, so gesehen, auch auf Burg Wilhelmstein geschehen - Zeichen dafür, dass im Spielerischen der Musik die Begegnung von Kulturen nicht in fremdenfeindlichen Angstzuständen endet, sondern etwas spannendes Neues zu Tage fördert.