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Die Ministerin fordert die Hochschulen

Die Ministerin fordert die Hochschulen

Düsseldorf (an-o) - Hannelore Kraft (42) legt jetzt richtig los. Seit einem Jahr Wissenschaftsministerin, mutet sie sich und den Hochschulen ein Programm zu, das einige Unis und Fachhochschulen des Landes in den nächsten Jahren ziemlich umkrempeln wird.

"Wer bis dahin nicht auf dem richtigen Weg ist, muss damit rechnen, dass wir Kapazitäten verschieben oder ganze Studiengänge schließen." Deutlicher muss eine Wissenschaftsministerin nicht werden, um den 37 staatlichen Universitäten und Fachhochschulen des Landes Einschneidendes anzukündigen. Dabei müssen die Hochschulen das sozusagen mit sich selbst ausmachen.

Das Land gibt ("noch") nicht direkt vor, ob bestimmte Studiengänge erhaltenswert sind oder nicht. Aber es drängt die Hochschulen zur "Exzellenz" und sagt klipp und klar dass der Markt, nur zum Beispiel, viel weniger Architekten braucht als ausgebildet werden. Die Hochschulen können autonom ihre Kapazitäten umschichten, Professuren von einer schwächeren zu einer erfolgreicheren Fakultät verschieben. Mit den Daten des "Hochschulkonzepts 2010" kennt jetzt jede Hochschule die Erfolgs-Kriterien.

Bis Anfang nächsten Jahres müssen sie dem Ministerium in einem "Standortkonzept" mitteilen, worin sie sich profilieren und wie sie im Wettbewerb bestehen wollen. Im Jahr 2006 müssen sie sich dann in entsprechenden Zielvereinbarungen verpflichten. Dann allerdings kommt ein kleiner Geldsegen, weil die Gebühren für Langzeitstudierende - bis zu 90 Millionen Euro - ab dann ganz bei den Hochschulen bleiben. Ab diesem Jahr wird auch die Besoldung der Dozenten zu gut 20 Prozent leistungsabhängig. Dazu wird es eine systematische Evaluierung (Bewertung) der Dozenten seitens der Studierenden geben.

Ziemliche Herausforderungen und Auseinandersetzungen stehen also allen Mitarbeitern der Hochschulen bevor - das ist auch gewollt: "Das Entscheidende wird sein, die Denke der Beschäftigten zu ändern. Es gibt Kräfte in den Hochschulen, die man wecken und sie gegen die Beharrungskräfte stärken muss."

Profil gewonnen

Was Hannelore Kraft den Hochschulen an Profil abverlangt, hat sie selber im ersten Jahr ihrer Amtszeit offensichtlich gewonnen. Nicht jeder hatte das von der zierlichen und nicht auf den ersten Blick auffallenden Diplom-Ökonomin erwartet, die noch keine zehn Jahre in der SPD, seit 2000 im Landtag ist, knapp anderthalb Jahre Europaministerin war und im November 2002 ein hektisches Erbe im Wissenschafts- und Forschungsressort antrat.
Zweifellos begünstigt durch die Entkoppelung vom Schulressort, hat das Wissenschaftsministerium nun erkennbar weniger Mühe als zu Zeiten von Gabriele Behler, die großen Projekte zu kommunizieren. Dazu gehören neben dem Hochschulkonzept die Umstellung aller Hochschul-Abschlüsse auf Bachelor/Master, die bis 2010 gelungen sein und mehr Abiturienten aus unterprivilegierten Schichten in die Hochschulen bringen soll. Eine "Informationsoffensive" soll bei den Arbeitgebern für mehr Akzeptanz der internationalisierten Titel sorgen.

Förderung von Frauen

Intensiv und sicherlich folgenreich werden Überkapazitäten in der Hochschulmedizin geprüft. Weiter konzentrieren wird sich die Forschungsförderung in NRW auf Schwerpunkte, von der Stammzell- bis zur Energieforschung - und nicht zuletzt sollen Frauen in der Wissenschaft gefördert werden, "nicht nur mit den bisherigen Progrämmchen ".

Keine Frage, Ministerin Kraft will nicht kleckern: "Wenn wir dieses Programm durchziehen, werden wir am Ende besser sein als die USA." Da müssen wohl noch viele mitziehen.