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Stolberg/Aachen: Die magische Kraft von Dichtung, Bild und Klang

Stolberg/Aachen : Die magische Kraft von Dichtung, Bild und Klang

Anna ist Studentin in Budapest. Die Bilder der in Aachen lebenden amerikanischen Malerin Janet Brooks Gerloff zur Poesie des ungarischen Nationaldichters Attila József haben Annas bisherigen Überzeugungen unerwartet ins Wanken gebracht.

Ab 25. September (Eröffnung 14.30 Uhr) sind diese unter dem Motto „ohne anzuklopfen - kopogtatás nélkül”, dem Titel eines Gedichtes, auch im Stolberger Museum Zinkhütter Hof zu sehen.

„Ich war davon überzeugt, dass ungarische Literatur und Dichtung nur für ungarische Menschen verstehbar sind.” Nachdem sie die Werke im Museum der Bildenden Künste ihrer Heimatstadt gesehen hatte, war sie erschüttert.

„Ich dachte, es gibt Gedanken, die ausschließlich in unserer wunderschönen Sprache abgefasst werden können.” Und dann? „Ich konnte nichts anderes als stehen, starren, weinen.”

Was Anna so bewegt, hat inzwischen rund 15.000 Menschen erreicht, die zunächst in Berlin im Gebäude der ungarischen Botschaft und danach in Budapest zum 100. Geburtstag des Dichters mit Erstaunen jene Bilder angesehen haben, die Janet Brooks Gerloff mit viel Einfühlungsvermögen zu einer Reihe ins Deutsche übertragener Gedichte gemalt hat.

Kuratorin Ágnes Wirtz hat hier ein umfängliches Projekt ins Leben gerufen, zu dem nicht zuletzt die Produktion einer Dokumentation über Attila József als DVD durch den Aachener Autor und Regisseur Dieter Bartel gehört. Auch seine Arbeit ist neben anderen ergänzenden Programmpunkten in Stolberg zu sehen.

„Ich war wirklich verblüfft, wie intensiv die Menschen und auch die Medien in Ungarn auf diese Ausstellung reagiert haben”, erzählt die Malerin, die quasi in jeder populären Zeitschrift des Landes - meist sogar mit farbiger Abbildung eines Bildes - präsent war.

Zur Eröffnung gab sich Ferenc Mádl, Schirmherr und Staatspräsident der Republik, die Ehre. Ein besonderer Gast war auch Francois Fejtö, in Paris lebender 95-jähriger Ungar, lebenskluger Berater Chiracs und letzter lebender Freund des Dichters Attila József.

Kaum zu bremsen

„Er erzählte immer neue faszinierende Geschichten aus dieser Zeit, er war kaum zu bremsen”, erinnert sich Ágnes Wirtz an die bewegende Begegnung mit dem alten Herrn. Die Persönlichkeit jenes unglücklichen, feinfühligen Attila József, dessen Leben von Verlust und Einsamkeit geprägt war und der sich im Alter von nur 32 Jahren von einem Zug überfahren ließ, hat Janet Brooks Gerloff zu anrührenden Bildern inspiriert.

Seelenleben und -leiden sprechen aus archaischen Flächen, herb-innigen Gesichtern, stillen Freiräumen und starken oder zarten Strukturen.

Der jeweilige Text zum Bild weckt starke Emotionen, wie sie Janet Brooks Gerloff erstmals in der Begegnung mit Schuberts „Winterreise” empfunden hat. Eine musikalische Rarität wird es übrigens bei der Eröffnung von „ohne anzuklopfen” geben: Hier singt Baßbariton Ulrich Schütte zwei Lieder nach Gedichten Józefs von Peter Brehmer als Uraufführung.

Schauspielerin Petra Welteroth wird Gedichte des Ungarn sprechen, und die Gäste vom Gesandten aus Bonn bis zum Museumsleiter haben nur eins im Sinn: Die magischen Wechselwirkungen von Bild, Wort und Klang zu zeigen.

„Es gibt auf jeden Fall keine feierlichen Reden”, verspricht Ágnes Wirtz. Ein umfangreiches Rahmenprogramm sorgt dafür, dass die von József angesprochenen Themen aufleben. „Ich habe meinen alten ungarischen Stolz gegen ein offenes Herz getauscht”, schrieb Studentin Anna ins Gästebuch. Das Team um Janet Brooks Gerloff hofft auf eine ähnliche Wirkung in Deutschland.

„ohne anzuklopfen”, Bilder von Janet Brooks Gerloff zu Gedichten von Attila József, 25. September bis 25. November, Museum Zinkhütter Hof, Stolberg Cockerillstr. 90, Öffnungszeiten, Die.-Fr. 14-18 Uhr.

27. September, 19 Uhr, Lesung mit Zsófia Balla und Daniel Muth, Übersetzer des Gesamtwerkes von Attila József.

4. Oktober, 15 Uhr, „Leiden schafft Kunst”, Führung für Jugendliche.

23. Oktober, 11 Uhr, „Du bist einsam”, Führung mit Janet Brooks Gerloff und Ágnes Wirtz.

25. Oktober, 19 Uhr, Liederabend mit Ulrich Schütte und Vera von Schnitzler (Klavier), Franz Schubert, „Die Winterreise”.

6. November, 19 Uhr, Lesung mit Petra Welteroth, Filmdokumentation von Dieter Bartel.

15. November, 19 Uhr, „Der Gottsucher”, Lesung mit György Dalos.

Karten an der Abendkasse.