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Düren: Die Kreativität soll Purzelbäume schlagen

Düren : Die Kreativität soll Purzelbäume schlagen

„Der Museumspädagogik im Leopold-Hoesch-Museum einen festen Platz zu geben - dafür bin ich bereit zu kämpfen”, erklärt Renate Goldmann, die neue Dürener Museumsdirektorin, Anfang Februar im Gespräch mit unserer Zeitung. Gesagt, getan - der umwerfenden Überzeugungskraft dieses Energiebündels konnte man sich städtischerseits offenbar nicht verschließen.

Seit knapp drei Monaten fegt an ihrer Seite ein zweiter blonder Wirbelwind durchs sanierte und erweiterte Gemäuer: Jeannine Bruno. Innerhalb kürzester Zeit hat die erste Leiterin der neuen Abteilung Kunstpädagogik am Hoesch-Museum ein Programm konzipiert, das die Stadt bereits weit vor dem Wiedereröffnungstermin am 27. Juni ganz schön aufmischen wird: am 16. Mai, dem Internationalen Museumstag.

Drei Studios stehen bereit

„Werkloge - Raum für Kunstvermittlung” und „Art Education” gibt ihre Visitenkarte als Kompetenzbereich am Leopold-Hosch-Museum und Papiermuseum Düren preis. Wo zurzeit noch zwei leere Räume im Souterrainbereich des Hauses und ein weiterer im Papiermuseum auf ihre Einrichtung warten, soll in Kürze die Kreativität Purzelbäume schlagen. „Studios” heißen die Werkstätten, in denen Kinder, Jugendliche und Erwachsene, betreut und versorgt von einem Team aus mindestens 20 freien und festen Mitarbeitern in Workshops selbst gestalten lernen.

Kleinere Kinder in eher klassischen Mal- und Zeichenkursen, die angehend „coole” Generation in „Boys- und Girls-Clubs”. Während die Mädels Kunst-, Schmuck- oder Textilobjekte kreieren, werden die Jungs sich in vielfältiger Form der Musik widmen. Auf jeden Fall wichtig dabei: „Ein gelassenes Zusammensein”, sagt Jeannine Bruno, die ihr Handwerk nicht nur als erfahrene Kunstpädagogin in der Kinder- und Jugendarbeit beherrscht, sondern auch selbst als Künstlerin. Ihren Weg nach Düren fand sie über die gemeinsame Arbeit mit Renate Goldmann am Skulpturenpark Köln.

Jenseits aller Leistungsorientierung, auf spielerische Art und Weise einen Zugang zur Kunst und die eigene Inspiration finden - darin sieht Jeannnine Bruno das Ziel ihrer Kunstvermittlung. „Und das steht und fällt einfach mit den Personen, dem ganzen Team”, sagt sie. Fest „vernetzt” in der Kölner Szene, haben ihr viele rheinische Kollegen spontan ihre Mitarbeit in Düren zugesichert. Etwas ganz Frisches, Neues aufzubauen, jenseits des gesättigten Großstadtbetriebs in einer mittleren Stadt wie Düren, das hat zum Beispiel auch die amerikanische Theaterpädagogin Elisabeth Clark motiviert, am Leopold-Hoesch-Museum in den Bereichen Musiktheater und Tanz mitzuwirken - immerhin eine langjährige Mitarbeiterin von Pina Bausch.

Paper Art, zeitgenössische Kunst mit dreimonatlich wechselnden Ausstellungen und internationale Kunst bestimmen als thematische Schwerpunkte das Kunstvermittlungs-Programm. Den in Köln lebenden Südamerikaner David Gericke können erwachsene Workshop-Teilnehmer dabei als erstes in Dialog und Praxis kennenlernen.

Erstmals wird in Düren am 30. Oktober eine lange Nacht der Museen stattfinden. Und wie bunt sich das Leben im Hoesch-Museum und im Papiermuseum gestalten wird, das soll eben am 16. Mai in der gesamten Dürener Innenstadt von 10 bis 17 Uhr demonstriert werden. Dabei ist selbstverständlich auch Mitmachen angesagt: Die Sprayer-Guppe „blue writers” zum Beispiel wird auf dem Hoesch-Platz Interessierten das Graffiti-Sprayen beibringen, Elisabeth Clark auf dem Kaiserplatz schweigende Menschen in eine „Station der Stille” einladen.

Vor dem Papiermuseum kann sich jedermann an einem Gesamtkunstwerk aus Papier beteiligen, während Schülerinnen des St.-Angela-Gymnasiums die Dürener Bürger dazu auffordern, mit ihnen „Eat Art” zu fabrizieren - Kunst, die man essen kann. All das und noch viel mehr summiert sich zu einem Happening, das auch dem letzten klarmacht: Spätestens ab dem 27. Juni geht in Düren kulturell die Post ab. Weitere Infos bei Jeannine Bruno: 02421/252594 oder unter j.bruno@dueren.de per Mail.