Köln: Die Kölner Oper begeistert mit Rossinis „Mosè in Egitto“

Köln: Die Kölner Oper begeistert mit Rossinis „Mosè in Egitto“

Bei den Bregenzer Festspielen 2017 konnte die Koproduktion der Kölner Oper bereits vollauf überzeugen. Auch im Kölner Staatenhaus kann die Neuinszenierung der Rossini-Oper „Mosè in Egitto“ punkten — obwohl man dort bühnentechnisch mit relativ bescheidenen Mitteln auskommen muss.

Thematisiert wird die Knechtschaft der Hebräer in ägyptischer Gefangenschaft. Von den Plagen Gottes entnervt, beschließt der Pharao, das auserwählte Volk ziehen zu lassen. Der wankelmütige Pharao ändert mehrmals seine Meinung, bis am Ende der Exodus vollzogen und das ägyptische Heer von den Fluten des Roten Meers verschlungen wird.

Eine handlungsreiche Geschichte, der „Aida“ nicht unähnlich, in der die privaten und politischen Konflikte dramaturgisch jedoch nicht ganz so elegant verwoben werden wie bei Verdi. Erfreuen kann man sich dennoch an effektvollen Bildern, Chören und viel Leidenschaft in bester Rossini-Manier. Lotte de Beer überzeugt in ihrer Inszenierung vor allem, wenn sie darauf verzichtet, psychologischen Tiefgang zu konstruieren, wo keiner zu finden ist.

Die szenischen Fäden ziehen vor allem die Mitarbeiter des niederländischen Theaterkollektivs „Hotel modern“, einer seit 20 Jahren agierenden Truppe, die bildende Kunst, Puppenspiel, Musik, Film und Schauspiel miteinander verknüpft. Vier Künstler des Kollektivs sind in schlichter Alltagskleidung ständig präsent, arrangieren die Sänger und Chöre zu Stillleben, wenn das Werk oratorienhafte Züge annimmt. Vor allem füllen sie die eindrucksvolle Weltkugel, mit der Bühnenbildner Christof Hetzer den Hintergrund bestückt, mit Illustrationen zu den Plagen und Vorgängen aus dem Leben der Ägypter und Hebräer.

Es scheint, dass sich Maestro David Parry von der Fantasiefülle der holländischen Truppe ebenso befeuern lässt wie das hoch engagierte Ensemble. Parry hört man seine Rossini-Erfahrungen an. Er bemüht sich mit dem Gürzenich-Orchester und dem imposanten Opernchor um ein nahezu perfektes Feuerwerk an Brio, Volumen, Elastizität und Kantabilität.

Vokal besser als in Bregenz

Vokal präsentiert sich die Besetzung um eine Klasse besser als die Bregenzer Konkurrenz. Das betrifft vor allem den Pharao von Joshua Bloom mit seinem mächtigen Bariton und Anton Rositskiy als dessen Sohn Osiride mit seinem biegsamen und bis zum hohen „e“ mühelos ansprechenden Tenor. Ante Jerkunicas Bariton wirkt für die Titelrolle freilich etwas grobschlächtig. Die Damen mit Adriana Bastidas-Gamboa als Pharaonen-Gattin Amaltea und Mariangela Sicilia als Elcia, die Geliebte des Osiride, erreichen das von ihren Kolleginnen in Bregenz gesetzte hohe Niveau.

Begeisterter Beifall für die Begegnung mit einem interessanten Werk und einem originellen szenischen Ansatz.

Weitere Aufführungen im Deutzer Staatenhaus: am 20., 22., 26. und 28. April. Karten gibt es beim Kundenservice des Medienhauses Aachen.

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