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Düsseldorf: Die „Katze auf dem heißen Blechdach” lässt kalt

Düsseldorf : Die „Katze auf dem heißen Blechdach” lässt kalt

Wenn Tennessee Williams Familiendrama „Die Katze auf dem heißen Blechdach” die Bühnenbretter erhitzt, dann spuken die Filmbilder von Paul Newman und Elizabeth Taylor in vielen Köpfen herum.

Hollywood schlägt auch Burkhard C. Kosminski k.o., dabei wollte der Regisseur zum Saisonstart des Düsseldorfer Schauspielhauses doch großes Kino: Seine Psycho-Krieger verspritzen ihr Gift in drei hintereinander versetzten Wohnzimmer-Containern - im Cinemascope-Format, nah dran an den Zuschauern, mit vergröberten Gesten, in leicht konsumierbarer Spielfilmlänge.

Andererseits ist Kosminski der Schwulst der 50er zu piefig. Mit Bühnenbildner Florian Etti hat er die feuchte Südstaaten-Hitze herausgepustet. Das Stück ist eingedampft, Lokal- und Zeitbezüge sind fast gänzlich getilgt. Schauplatz ist eine dieser geschmackvoll atmosphärelosen Szenerien, in die heute auch die Figuren von Tschechow oder Neil Simon verfrachtet werden.

Kühles Licht fällt auf schwarzes Leder, die Eiswürfel klirren im Whiskeyglas, Gefühle sind eh schon erkaltet. Hemmt ihn die Ehrfurcht vor der deutschen Erstaufführung am selben Ort vor fast einem halben Jahrhundert?

Die „Kraft des Textes” will der Regisseur wirken lassen. Das heißt leider: Er selbst hat keine Ideen.

Warum hier und heute dieses abgehangene Werk auf der Bühne beleben? Vielleicht gibt eine der vielen Inszenierungen, die in dieser Saison landauf und landab noch folgen, ja eine packende Antwort. Kosminski verlässt sich lieber auf psychologischen Realismus und seine Schauspieler.

Aus der bonbonfarbenen Oberflächen-Gesellschaft ragt eine heraus: Constanze Becker. Als Maggie the Cat scheint sie noch nicht hineingewachsen in die Rolle.

Sie zupft am Träger ihres roten Paillettentops, stolziert in den Stilettos etwas unbeholfen über die Bühne, verströmt halbnacktes Unbehagen. Schwarze Reizwäsche, knallrote Lippen und Fingernägel machen noch keinen Vamp. Einstudierte Posen, geliehene Gesten.

Oder ist Maggie eine Schauspielerin? Theater-Metaphern - Vorhang und Glühbirnen wie an Garderoben-Spiegeln - deuten es an, bleiben aber unklar. Doch das ist gerade das Irritierende, Geheimnisvolle in ihrem Spiel.

Maggie ist ein widerständiger Fremdkörper in dieser Familie, Constanze Becker ist einer in dieser Inszenierung. Denn den anderen sitzen ihre Rollen von der ersten bis zur letzten Sekunde wie angegossen. Typen-Konfektion.

Brick ist bei Matthias Leja ein saufender Dreitagebart-Schlaffi, der sich an Whiskeyglas und Krücke festklammert. Selbst die Ensemble-Urgesteine Marianne Hoika und Wolfgang Reinbacher als Mama und Big Daddy scheinen nicht so recht zu wissen, ob sie dem „Denver Clan” oder „Diese Drombuschs” entstiegen sind. Oft hilflos hangeln sie sich am Text entlang.

Sogar beim heftigen Schlussapplaus aus dem ausverkauften Großen Haus sticht Constanze Becker hervor. Finster blickt sie ins Publikum. Irgendwie sieht sie unglücklich aus.

Weitere Aufführungen: 7. und 8. Oktober, 19.30 Uhr; Karten: 0211/369911.