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Düsseldorf: Die Ikone der Aufrichtigkeit

Düsseldorf : Die Ikone der Aufrichtigkeit

Normalerweise lässt sich ein Profi wie Bruce Frederick Joseph Springsteen nicht so schnell aus der Ruhe bringen. Aber Montagabend in der LTU- Arena gesteht er, dass er ganz schön Herzklopfen hatte: „Das war entsetzlich, oh, mein Gott. Wollen wir hoffen, dass die guten Geister für den Rest des Abends mit euch sind!”

Die ersten zwei Stücke des Konzerts waren als solche nicht zu erkennen, immer wieder fiel der Ton aus, die Leinwände begannen zu flackern und mitten in „Radio Nowhere” war dann komplett Schicht im Schacht: Stromausfall wegen eines defekten Verstärkers in der Lautsprecheranlage. Vor 38.000 Fans in einer Riesenarena ein echter Alptraum. Aber statt das krumm zu nehmen, ermutigen die Getreuesten der Getreuen im Publikum, und das sind nicht wenige, ihren Helden und dessen Band.

Bis der Schaden behoben ist, mischt sich Springsteen unters Volk und schüttelt Hände. Mit „Radio Nowhere” steigen die Musiker dann neu ein, um sich mit „Lonesome Day” und „The Promised Land” auf gute 150 Prozent auf der Live-Skala zu steigern. Alles da, alles bestens: Vom souveränen Saxophon eines Clarence Clemons bis hin zum einprägsamen Spiel der Tasten, für das Roy Bittan verantwortlich ist, und dazwischen „der Boss”, wie immer ganz schlicht mit schwarzem Hemd und dunkler Jeans, unermüdlich, charismatisch, unnachahmlich.

Der Rock´n´Roll lebt, und in ihm pulsieren Folk, Blues und Country. Er erzählt von endlosen Highways und verlassenen Straßen, von Knochenarbeit und von Schweiß, von Aufbruch und dem Gefühl, seine Wurzeln doch nicht verleugnen zu können. All das verkörpert Springsteen, als Ikone der Aufrichtigkeit.

Zehntausende Arme, hoch erhoben und, atemberaubend synchron, von einer Seite zur anderen schwingend. In fast drei Stunden stehen in Düsseldorf 22 Stücke auf dem Programm, plus sechs Zugaben.