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Aachen: Die Harfe hat das Wort

Aachen : Die Harfe hat das Wort

So apart und vielseitig die Harfe einsetzbar ist, so stiefmütterlich wurde und wird sie von Komponisten der ersten Garde behandelt.

Somit ließ sich am Sonntag beim 2. Kammerkonzert im Theater Aachen ein qualitativer Bruch zwischen den Beiträgen für Harfe und dem Klavierquartett in c-Moll op. 60 von Johannes Brahms nicht vermeiden.

Dennoch sorgte Stana Beißwänger, Solo-Harfenistin des Aachener Sinfonieorchesters, für manche Überraschung. Vor allem der Hindemith-Zeitgenosse Harald Genzmer setzte in seiner Sonate für Harfe und Violoncello beide Instrumente sehr originell in Szene.

Stana und ihr Mann Eberhard Beißwänger zeigten sich hier voller Spielfreude. Die beiden präsentierten sich anschließend noch mit dem Nocturne des Spätromantikers Marcel Lucien Tournier, dessen salonhaften Charme sie mit schönem Ton und melodischer Süße interpretierten.

Der Block fand seinen Abschluss in dem Quintett für Harfe und Streichquartett von E.Th.A. Hoffmann, dem man allerdings bescheinigen muss, dass seine Kompositionen bei weitem nicht an die geniale Eigenwilligkeit seiner literarischen Meisterwerke heranreichen. Gleichwohl machte hier Sabine Gabbe, seit dieser Spielzeit neue Konzertmeisterin des Orchesters, auf sich aufmerksam.

Sie setzte dann in Brahms kapitalem Klavierquartett in c-Moll hörbare Akzente. So gelang eine aufwühlende Interpretation des mächtigen Kopfsatzes, an der auch der sehr nobel und alles andere als grob agierende Pianist Burkard Spinner maßgeblichen Anteil hatte.

Auch das gespenstisch dahinhuschende Scherzo gelang vorzüglich. Das Cello-Solo im Andante war bei Eberhard Beißwänger bestens aufgehoben. Allerdings sorgte die flache Phrasierung des Mittelteils für einige unnötige Längen.

Insgesamt ein abwechslungsreiches Programm auf erfreulich hohem musikalischen Niveau. Es wird heute um 20 Uhr im Foyer des Großen Hauses wiederholt.