Aachen: Die große Kunst des kleinen Schwarzen: Espresso-Kultur im Cube Design Museum

Aachen: Die große Kunst des kleinen Schwarzen: Espresso-Kultur im Cube Design Museum

Enrico Maltoni legt Hand an. Auch in der Fremde. Hier einen Hebel ziehen, dort einen Deckel gerade rücken. Der Sammler ist akribisch, auch beim Arrangement einer Ausstellung mit Stücken aus seiner Sammlung, die seit Samstag und mehr als 1000 Kilometer von ihrem üblichen Standort entfernt in Kerkrade zu sehen sind.

Das Cube Design Museum geht der Faszination italienischer Espresso-Kultur auf die Spur — genauer: der für den Genuss essenziellen Technik, den Accessoires, den Kultobjekten. „Passione Italiana“ — italienische Leidenschaft, so simpel wie treffend ist der Titel der Schau. Die Leidenschaft italienischer Sammler wie Enrico Maltoni wiederum ermöglicht eine Schau, die nicht nur Kult- sondern auch Anlageobjekte präsentiert. Schließlich ist eine Maschine zu sehen, deren Wert bei rund 250.000 Euro liegt.

„Italienische Leidenschaft“: Ein Blick in die neue Wechselausstellung „Passione Italiana“ im Cube Design Museum in Kerkrade (oben). Kuratorin Vilja Bemelen zeigt das Prunkstück, eine von weltweit zwei existierenden Maschinen „La Cornuta“ aus dem Jahr 1948. Ihr Wert liegt heute bei 250 000 Euro. Neben den historischen Geräten steht auch die Verbindung von Architektur und Espresso-Design im Fokus. Foto: Harald Krömer

Das glänzende Gerät namens „La Cornuta“ mit seinen drei nebeneinander liegenden Schankarmen hat in etwa die Maße eines Motorblocks und bildet einen Höhepunkt in der von Vilja Bemelen und Gene Bertrand arrangierten Ausstellung, deren Faszination sich wohl auch dem passionierten Teetrinker problemlos erschließen dürfte. „Das ist italienische Lebensart, es sind viele Formen dabei, die heute jeder kennt. Wir wollen das Bewusstsein dafür schärfen, dass es sich um Designobjekte handelt“, sagt Bemelen über die Schau.

„Italienische Leidenschaft“: Ein Blick in die neue Wechselausstellung „Passione Italiana“ im Cube Design Museum in Kerkrade (oben). Kuratorin Vilja Bemelen zeigt das Prunkstück, eine von weltweit zwei existierenden Maschinen „La Cornuta“ aus dem Jahr 1948. Ihr Wert liegt heute bei 250 000 Euro. Neben den historischen Geräten steht auch die Verbindung von Architektur und Espresso-Design im Fokus. Foto: Harald Krömer

Der weltweite Siegeszug der kleinen schwarzen Kaffeespezialität hat dafür gesorgt, dass Maschinen, Kannen oder Geschirr längst den Rahmen reiner Funktionalität gesprengt haben und zu memorablen Objekten gereift sind — dazu gehören auch die bis heute zigfach kopierten Klassikerr aus bekannten Häusern wie Alessi, Faema oder Bialetti. Im Kerkrader Museum, benannt nach der Würfelform des Baus, wird die Geschichte des unter Hochdruck zubereiteten Muntermachers von ihren Anfängen um das Jahr 1900 bis heute nachgezeichnet.

Das Erscheinungsbild der frühen Jahre, in denen Geräte sich etwa an historischen orientalischen Samowars — Teefreunde aufgemerkt — orientierten oder mit Jugendstil- und Art-Deco-Elementen aufgehübscht wurden, ist durch manch kühnen Designstreich maximal aufgebrochen worden. „Hersteller von Maschinen und Geschirr haben namhafte Designer und Architekten ins Boot geholt, das hat viel zur heutigen Ikonenhaftigkeit mancher Objekte beigetragen“, sagt Bertrand, Programmverantwortlicher im ersten Design-Museum der Niederlande.

Mehrfach zeigt die Kerkrader Schau die sichtbaren Verbindungen zwischen Architektur und Espressokultur auf — die aber oftmals erst durch den musealen Kontext besonders wirken. Regional bedeutsames Beispiel gefällig? Die Form der heute ikonischen Espressokanne „La cupola“ des Italienischen Designers Aldo Rossi findet sich auch im markanten Erscheinungsbild des Turms des Maastrichter Bonnefantenmuseums. Architekt: Aldo Rossi.

Anderen Dingen des Kaffeelebens haben ihre schlichte Eleganz zu einer zeitlosen Berechtigung verholfen. „Die Moka Bialetti ist seit 1933 kaum verändert worden“, sagt Bemelen und verweist auf die klassische Herdkanne, für den Hausherren gar „ein Zeichen der italienischen Überlegenheit“ im Kaffeeuniversum.

Dass Designer ihre Gedanken bis heute um die perfekte Crema kreisen lassen, zeigen die aktuellsten Arbeiten der Ausstellung. Und die kommen längst nicht mehr nur aus Italien. Das Service „Kaffeeform“ des Deutschen Julian Lechner vereint gebrauchten Kaffeesatz und natürliche Klebstoffe zu dunkler Eleganz. Tom Dixons „Brew Coffee Set“ liefert gleich die komplette Ausstattung für Aufbewahrung, Herstellung und Verköstigung.

Der Brite setzt dabei auf Metallästhetik, wenn auch deutlich dunkler als bei der strahlenden „La Cornuta“. Doch auch deren Besitzer, der weitgereiste Enrico Maltoni, riskiert nur zu gern einen intensiven Blick.

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