1. Kultur

Florenz: „Die Frau von gegenüber”: Ist das Geheimnis der Mona Lisa gelüftet?

Florenz : „Die Frau von gegenüber”: Ist das Geheimnis der Mona Lisa gelüftet?

Das Lächeln der Mona Lisa gilt als Inbegriff des Weiblich-Rätselhaften, ihr Porträt als Symbol des Geheimnisvollen und des Mysteriösen - doch glaubt man neusten Forschungsergebnissen in Italien, ist eines der Mirakel der Schönen mit dem Silberblick gelüftet. Der Florentiner Kunsthistoriker Giuseppe Pallanti hat nach eigenen Angaben in einem Archiv der Stadt ein Dokument entdeckt, das beweist, dass das Modell Leonardi da Vincis (1452-1519) tatsächlich in Florenz lebte und dort 1542 im Alter von 63 Jahren starb.

Laut Kirchenarchiv wurde die Kaufmannsgattin Lisa Giocondo, geborene Gherardini, im Kloster Sant´Orsola im Herzen der Toskana-Metropole beigesetzt. Ob der Jahrzehnte lange Streit um die Identität des berühmtesten Modells der Kunstgeschichte damit beendet ist, scheint allerdings fraglich.

„Zum ersten Mal können wir damit das gesamte Leben dieser Frau rekonstruieren”, jubelt der Mona-Lisa-Experte Pallanti. Jahre lange akribische Kleinarbeit habe weitere wichtige Details an den Tag gebracht: So habe die Schöne in ihrer Jugend in der Via Ghibellina gelebt - just gegenüber dem Wohnhaus der Familie da Vinci.

Mehr noch, weitere Dokumente würden belegen, dass sich beide Familien kannten und gesellschaftlich miteinander verkehrten - gleichsam ideale Voraussetzung für ein Zusammentreffen des Künstlers mit seinem Modell. Später habe die Witwe, alt und krank, ihre letzten Jahre im Kloster verbracht - wie der Ehemann es gewollt hatte.

„Nicht alle sind einverstanden”, schreibt die römische Zeitung „La Repubblica” am Freitag zu den neusten Erkenntnissen. Vor allem die Da-Vinci-Forscher Allesandro Vezzosi und der junge neapolitanische Professor Carlo Vecce widersprechen vehement: In Wahrheit habe damals Anfang des 16. Jahrhunderts die Geliebte des mächtigen Giuliano de´ Medici (1479-1516), Bruder von Papst Leo X., Porträt gesessen.

Laut Vecce handelte es sich bei der Dame mit dem verschleierten Blick um niemanden anderen als die aus Neapel stammende Edel-Kurtisane Isabelle Gualandi. Pikantes Detail: Nach dieser Theorie soll das Bild sogar im Vatikan gemalt worden sein. Andere Theorien behaupten gar, es habe gar kein Modell gegeben, da Vinci habe aus seiner Fantasie eine „ideale Frau” gemalt, wieder andere meinen, in Wirklichkeit stand die Mutter Modell.

Um nur wenige Meisterwerke der Kunstgeschichte rankt sich so viel Unerklärliches und Mysteriöses. Was soll ihr zugleich verführerischer und abweisender Blick sagen, wie kam der Künstler auf die revolutionäre Perspektiv-Verschiebung? Lediglich der italienische Kunsthistoriker Giorgio Vasari führte im 16. Jahrhundert den Namen „Mona Lisa” ein, „Mona” steht dabei für Madonna, also für Frau. Im Italienischen heißt das Bild das heute im Pariser Louvre hängt, „Gioconda”, im Französischen „Joconda”.

Oder ist die Ursache für den vage-unbestimmten Gesichtsausdruck gar ein Makel des Modells, eine Laune der Natur? Manche Experten meinen, der halb schläfrig-nebulöse Ausdruck sei durch einen Muskelschwund im Gesicht des Modells entstanden, andere sehen Schizophrenie oder Gesichtslähmung als Ursache.

Fest steht nur eins: Den Schleier des Geheimnisvollen hatte bereits der Künstler selbst über sein Werk gelegt: Niemand vermag bis heute schlüssig zu erklären, warum da Vinci das Bild weder signiert noch datiert hat.