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Düsseldorf/Aachen: Die Deutschen lieben ihr Bargeld

Düsseldorf/Aachen : Die Deutschen lieben ihr Bargeld

„Sehen Sie hier, da ist das Wasserzeichen verwaschen, das ist ganz deutlich.” Der Falschgeld-Experte der Deutschen Bundesbank in Düsseldorf, Rolf Potschinski, wühlt in einem Haufen von „Blüten”, hält eine davon ins grelle Licht eines Prüfapparates. Die Bundesbank hatte zum Thema „Fünf Jahre Euro-Bargeld” gemeinsam mit dem Landeskriminalamt (LKA) eingeladen.

Vor ihm prangen in der Mitte eines stattlichen Geldhaufens im 8. Stockwerk des Bundesbankhauses zwei weitere hellbraune Fünfziger - ein Wert, der Favorit bei der meist in Süd- oder Osteuropa tätigen und anerkannt gut organisierten Falschgeldmafia ist - weil eben am besten geeignet für den deutschen Geldmarkt.

Neben jener echten Banknote in seiner linken Hand strichen Potschinskis feingliedrige Finger der Rechten über einen falschen „Fuffziger”. „Eigentlich ganz einfach. Das Motiv des Scheins wiederholt sich im Wasserzeichen. Das ist bei Fälschungen oft blass”, gibt sich der Banker alle Mühe. Auch die „Haptik”, das gefühlte Erscheinungsbild, sei anders, der Euro ist aus Baumwolle, Fälschungen sind oft aus „lappigem” Papier, der Sicherheitsfaden ist deutlich anders als ein Lamettastreifen.

Doch Hand aufs Herz: Die Blüten, die dort lagen, sind zum Teil so gut, dass es im Alltag richtig schwer wird, sie aus dem Geldverkehr herauszufiltern - Normalbürger sind schließlich keine Geldzählmaschinen. „Fühlen, Sehen, Kippen” - das Prinzip der Blüten-Erkennung erläutert nach der eingehenden Blütenprüfung der Düsseldorfer Bundesbankpräsident Hans Peter Weser.

LKA-Chef Wolfgang Gatzke erfreute zunächst mit der Information, dass sich das Falschgeldaufkommen jetzt wieder normalisiert habe. Etwa eineinhalb Jahre nach der Euro-Einführung, der fälschungssichersten Währung der Welt, verfünffachte sich 2003 die Zahl der Blüten explosionsartig auf 22.400 Stück im Jahr in NRW.

2006 kamen nur noch 12.300 unters Volk, die Zahl hat sich fast halbiert. Doch nach wie vor, erklärte LKA-Mann Gatzke auf Nachfrage, sei es für die Kriminellen relativ leicht, die Blüten in Umlauf zu bringen: „Neun von zehn gefälschten Scheinen werden erst bei der Bank entdeckt”, hieß es lapidar. Die Bundesbank, so Weser, mache alles, um Multiplikatoren zu schulen, an den Theken und Wühltischen aber geht so manche Blüte direkt in die Kasse.

Den Fälschern aus der Sparte „organisierte Kriminalität” spielt die Vorliebe der Deutschen für Bares in die Karten: Zweidrittel des Zahlungsverkehrs wird bar abgewickelt, völlig anders als in Frankreich etwa, stellte Weser fest. Auf 10.000 Bundesbürger entfallen statistisch fünf gefälschte Euro-Noten - im EU-Schnitt sind es sogar 19 Blüten pro Zehntausend Bürger - also Achtung in klassischen Urlaubsländern, Falschgeld wird nicht ersetzt! Im Jahr 2010 wird es neue, sicherere Scheine geben, kündigte der Bundesbank-Präsident gestern an. Wie die aussehen, sei „aus Sicherheitsgründen noch streng geheim”.