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Braubach: Die Burgen vom Rhein im Internetlexikon

Braubach : Die Burgen vom Rhein im Internetlexikon

Wie viele Burgen gibt es in Deutschland? Niemand weiß genau eine Antwort auf diese Frage. „Wir glauben, dass es 20.000 bis 25.000 sind”, sagt der Leiter des Europäischen Burgeninstituts in Braubach (Rheinland-Pfalz), Reinhard Friedrich (47). Das Institut arbeitet an einem deutschlandweiten Burgenlexikon.

Darin werden alle Burgen erfasst, die noch stehen oder von denen es Überreste gibt oder die zumindest mit Schriftstücken nachweisbar sind. Die Arbeit, so glauben Friedrich und seine Mitarbeiter, wird noch Jahre dauern. Erste Einträge - derzeit etwa 600 aus Deutschland und weitere aus Österreich und Ungarn - stehen bereits im Internet.

„Wir orientieren uns erst einmal an Rhein und Donau”, erklärt Friedrich. Daher sind jetzt vor allem Burgen vom Niederrhein bis nach Basel erfasst. Von dort aus geht es weiter ins Hinterland. Die einzelnen Rubriken sind standardisiert. Wer hat die Burg erbaut? Wie wurde sie in ihrer Bausubstanz verändert? Wie wird sie heute genutzt?

Das sind nur einige Fragen, auf die jeder im Internet eine Antwort finden soll. Daneben gibt es reine Fakten zum Standort der Burg, zu ihren Ausmaßen und zudem auch Informationen für potenzielle Besucher, die beispielsweise etwas über Führungen erfahren wollen. Wenn die Burg noch steht, werden mehrere Fotos dazugestellt.

Für das Projekt sind derzeit zehn bis 15 ehrenamtliche Mitarbeiter unterwegs, um die Burgen möglichst exakt vor Ort zu dokumentieren. „Ein Herr aus Bayern hat 80 Burgen erfasst”, sagt der Historiker Jens Friedhoff (39), der die Datensätze betreut. Institutsleiter Friedrich gibt zu bedenken, dass nicht jeder Hobbyforscher in der Lage ist, die Informationen in der gewünschten Qualität zu liefern.

„Wir wollen schon eine wissenschaftliche Datenbearbeitung machen.” Laut Friedhoff gibt es beispielsweise vor allem in Süddeutschland so genannte Turmhügelburgen (Motten), die auf Erdhügeln standen und heute leicht mit keltischen Grabhügeln verwechselt werden können.

Nach Angaben von Friedrich begannen die Arbeiten für das von der Europäischen Union geförderte Projekt vor etwa fünf Jahren. Zwar führten die Bundesländer manchmal eigene Statistiken - einen gesamtdeutschen Überblick gebe es aber nicht. „Wir wollen uns auch mit den Denkmalämtern austauschen”, sagt Friedrich.

Für das Internet als Medium habe man sich entschieden, weil die Angaben ständig aktualisiert werden könnten. „Die Daten wären beim Druck für ein Buch schon veraltet”, sagte er. Zu einigen Burgen - wie der Burg Eltz in der rheinland-pfälzischen Eifel - geben historische Quellen und Urkunden bereits viele Informationen. Von so mancher versunkenen Burg sind dagegen nur noch vage Umrisse früherer Burgmauern oder Wassergräben zu sehen.

Das Europäische Burgeninstitut ist eine Einrichtung der Deutschen Burgenvereinigung, die heute etwa 300 Mitglieder hat und bereits seit mehr als hundert Jahren Informationen rund um Burgen sammelt. Die burgenkundliche Fachbibliothek des Institutes umfasst zirka 30.000 Bücher und zudem zahlreiche Pläne, Grafiken und Fotos zu Burgen, Schlössern und Herrenhäusern.

Dabei sitzt das Institut selbst in den historischen Gemäuern des Schlosses Philippsburg. Erbaut wurde dieses von 1568 bis 1571 für den Landgrafen Philipp II. von Hessen-Rheinfels. Es gehört heute ebenso der Burgenvereinigung wie die Marksburg oberhalb von Braubach, die bereits im Internetlexikon abrufbar ist.