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Köln: Die Begrüßungsrede des Papstes

Köln : Die Begrüßungsrede des Papstes

Begeisternder Empfang für Papst Benedikt XVI. in Köln mit Jubel und "La Ola"-Wellen. Bundespräsident Horst Köhler begrüßte den Gast aus Rom, dann ergriff der Heilige Vater erstmals als Papst auf deutschem Boden das Wort. "Radio Vatikan" hat die Ansprache im Wortlaut veröffentlicht.

Sehr verehrter Herr Bundespräsident,
sehr geehrte Vertreter des politischen und öffentlichen Lebens,
verehrte Kardinäle, liebe Mitbrüder im Bischofsamt,
liebe Bürger der Bundesrepublik,
liebe junge Menschen!

Zum ersten Mal nach meiner Wahl auf den Stuhl Petri stehe ich voll Freude auf dem Boden meines lieben Vaterlandes, Deutschland.

Und ich kann nur wiederholen, was ich in einem Interview mit Radio Vatikan gesagt habe: Ich sehe es als eine liebevolle Geste der Vorsehung an, dass sie es eingerichtet hat - ich hatte es nicht gewollt - dass mein erster Besuch außerhalb Italiens in meinem Vaterland statt findet, hier in Köln und damit zu einem Zeitpunkt, an einem Ort und zu einem Anlass, wo sich junge Menschen aus aller Welt, aus allen Kontinenten treffen, wo die Grenzen zwischen Kontinenten, zwischen Kulturen, zwischen Rassen und Nationen verschwinden, weil wir alle eins sind durch den Stern, der uns erschienen ist, den Stern des Glaubens - Jesus Christus - der uns eint und der uns gemeinsam den Weg zeigt, so dass wir hier alle miteinander eine große Kraft des Friedens über alle Grenzen und Trennungen hinweg sind.

So sage ich Gott von Herzen Dank für diese Fügung, dass ich hier in meiner Heimat und mit einem solchen Frieden stiftenden Anlass beginnen darf, und so auch nach Köln komme in einer tiefen Kontinuität wie Sie, Herr Bundespräsident, schon gesagt haben, mit meinem großen und geliebten Vorgänger Johannes Paul II., der diese Intuition der Weltjugendtage, ich würde sagen, diese Inspiration gehabt hat, und damit nicht nur einen Anlass von überragender kirchlicher und religiöser Bedeutung schuf, sondern von menschlicher Qualität, der die Menschen über die Grenzen hin zueinander bringt und gemeinsam Zukunft bauen hilft.

Allen, die sie hier anwesend sind, bin ich aufrichtig dankbar für den herzlichen Empfang, den Sie mir bereitet haben.

Ein hochachtungsvoller Gruß gilt vor allem Ihnen, Herr Bundespräsident Köhler.
Ich danke Ihnen für Ihre freundlichen Worte, mit denen Sie mir aus dem Herzen gesprochen haben.
Ich wusste gar nicht, dass jemand, der in der Wirtschaft lebt, auch so viel Philosoph und Theologe sein kann.
Mit Achtung und Dankbarkeit denke ich auch an die Regierungsvertreter, die Mitglieder des Diplomatischen Korps und die zivilen und militärischen Autoritäten, den Herrn Bundeskanzler, den Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen, alle hier anwesenden Autoritäten.
In brüderlicher Wertschätzung grüße ich den Hirten der Erzdiözese Köln, Kardinal Joachim Meisner, gemeinsam mit ihm grüße ich die anderen Bischöfe mit dem Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Lehmann, die Priester und Ordensleute und alle, die in den verschiedenen seelsorglichen Aktivitäten der deutschsprachigen Diözesen ihre wertvolle Mitarbeit leisten.
Allen Bürgern der verschiedenen Bundesländer gilt in diesem Augenblick mein herzliches Gedenken.

In diesen Tagen der intensivsten Vorbereitung auf den Weltjugendtag haben sich die Diözesen Deutschlands, und im Besonderen die Diözese und die Stadt Köln, durch die Anwesenheit so vieler Jugendlicher aus aller Welt mit Leben erfüllt.
Ich danke allen, die durch ihre kompetente und großzügige Mitarbeit zur Organisation dieses kirchlichen Ereignisses von weltweiter Bedeutung beigetragen haben.
Voller Dankbarkeit denke ich an die Pfarreien, die Ordensinstitute, die Vereine, die zivilen Organisationen und die Privatleute, die Einfühlsamkeit bewiesen haben in der Art, wie sie den Tausenden von Pilgern aus den verschiedenen Kontinenten eine herzliche und angemessene Gastfreundschaft geboten haben.
Die Kirche in Deutschland und die gesamte Bevölkerung der Bundesrepublik können sich einer verbreiteten und gefestigten Tradition der Weltoffenheit rühmen, wie unter anderem die vielen Initiativen der Solidarität, besonders zugunsten der Entwicklungsländer, beweisen.

In diesem Geist der Aufnahmebereitschaft gegenüber denen, die aus anderen Traditionen und Kulturen stammen, schicken wir uns an, in Köln den Weltjugendtag zu erleben.
Die Begegnung so vieler Jugendlicher mit dem Nachfolger Petri ist ein Zeichen für die Vitalität der Kirche.
Ich bin glücklich, mitten unter den Jugendlichen zu sein, ihren Glauben zu stützen und ihre Hoffnung zu beleben.
Zugleich bin ich sicher, dass ich auch etwas von den jungen Leuten empfangen werde, vor allem von ihrer Begeisterung, ihrer Einfühlsamkeit und ihrer Bereitschaft, sich mit den Herausforderungen der Zukunft auseinanderzusetzen.
Ihnen und allen, die sie in diesen ereignisreichen Tagen aufgenommen haben, gilt schon jetzt mein herzlichster Gruß.

Neben den eindringlichen Zeiten des Gebetes, der Reflexion und des Feierns mit den Jugendlichen und allen, die an den verschiedenen Veranstaltungen des Programms teilnehmen, werde ich Gelegenheit zu einer Begegnung mit den Bischöfen haben, an die ich schon jetzt meinen brüderlichen Gruß richte.
Dann werde ich die Vertreter der anderen Kirchen und kirchlichen Vereinigungen sehen, einen Besuch in der Synagoge machen, um die jüdische Gemeinde zu treffen, und auch die Vertreter einiger islamischer Gemeinden empfangen.
Es handelt sich um wichtige Begegnungen, um den Weg des Dialogs und der Zusammenarbeit im gemeinsamen Einsatz für die Errichtung einer gerechten und brüderlichen, dem Menschen wirklich angemessenen Zukunft noch intensiver zu beschreiten.

Im Laufe dieses Weltjugendtags werden wir gemeinsam nachdenken über das Thema "Wir sind gekommen, um ihn anzubeten" (Mt 2,2).
Das ist eine nicht zu versäumende Gelegenheit, die Bedeutung des menschlichen Daseins als "Pilgerschaft" unter der Führung des "Sterns" auf der Suche nach dem Herrn zu vertiefen.
Gemeinsam werden wir auf die Gestalten der "Heiligen Drei Könige" schauen, auf diese Sterndeuter, die aus verschiedenen fernen Ländern kamen und zu den Ersten gehörten, die in Jesus von Nazareth, dem Sohn der Jungfrau Maria, den verheißenen Messias erkannten und sich vor ihm niederwarfen (vgl. Mt 2,1-12).

Dem Gedenken an diese beispielhaften Gestalten sind die Kirchengemeinden Kölns sowie die Stadt selbst in besonderer Weise verbunden.
Ebenso wie die Heiligen Drei Könige sind alle Gläubigen, und besonders die Jugendlichen, dazu berufen, ihren Lebensweg zu gehen auf der Suche nach Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe.
Es ist dies ein Weg, dessen endgültiges Ziel nur durch die Begegnung mit Christus zu finden ist, eine Begegnung, die sich ohne den Glauben nicht verwirklichen kann.
Auf diesem inneren Weg können die vielgestaltigen Zeichen hilfreich sein, die die lange und reiche christliche Tradition unauslöschlich auf deutschem Boden hinterlassen hat: von den großen historischen Monumenten bis zu den zahllosen Kunstwerken überall im Land, von den in den Bibliotheken verwahrten Dokumenten bis zu den mit intensiver Teilnahme des Volkes gelebten Traditionen, vom philosophischen Gedankengut bis zur Theologischen Reflexion vieler deutscher Denker, vom geistigen Erbe bis zur mystischen Erfahrung einer ganzen Schar von Heiligen.
Es handelt sich um ein äußerst reiches kulturelles und geistiges Erbe, das noch heute im Herzen Europas die Fruchtbarkeit des Glaubens und der christlichen Überlieferung bezeugt.
Die Diözese und insbesondere die Region Köln bewahren die lebendige Erinnerung an große Zeugen der christlichen Kultur.
Ich denke unter anderen an den heiligen Bonifatius, an die heilige Ursula, den heiligen Albertus Magnus und - in neueren Zeiten - an die heilige Teresia Benedicta a Cruce (Edith Stein) und den seligen Adolph Kolping.
Diese unsere berühmten Glaubensbrüder und -schwestern, die im Laufe der Jahrhunderte die Fackel der Heiligkeit haben leuchten lassen, mögen "Vorbilder" und "Patrone" des Weltjugendtags sein, der hier abgehalten wird.

Während ich Ihnen allen, die Sie hier anwesend sind, noch einmal meinen herzlichsten Dank ausspreche für den freundlichen Empfang, bete ich zum Herrn für den zukünftigen Weg der Kirche und der gesamten Gesellschaft dieser mir so lieben Bundesrepublik Deutschland.
Ihre Geschichte und die großen sozialen, ökonomischen und kulturellen Ziele, die sie erreicht hat, mögen ihr Ansporn sein, den Weg des authentischen Fortschritts und der solidarischen Entwicklung nicht allein für die deutsche Nation, sondern auch für die anderen Völker des Kontinents mit erneutem Engagement weiter zu verfolgen.
Die Jungfrau Maria, die den Heiligen Drei Königen, als sie nach Bethlehem gekommen waren, um den Retter anzubeten, das Jesuskind zeigte, möge weiterhin so für uns eintreten, wie sie schon seit Jahrhunderten von den vielen in den Bundesländern verstreuten Wallfahrtsorten aus über das Deutsche Volk wacht.
Der Herr segne Sie alle, die Sie hier zugegen sind, sowie auch alle Pilger und die Bewohner des Landes. Gott schütze die Bundesrepublik Deutschland!