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Aachen: Die Angst der Menschen vor Überfremdung

Aachen : Die Angst der Menschen vor Überfremdung

„Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch”, schrieb der Dichter Bert Brecht 1946 angesichts des Endes der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Und er hatte Recht.

Rassistische, rechtsextremistische, fremdenfeindliche Einstellungen halten sich auch mehr als 60 Jahre nach Kriegsende in Teilen der Gesellschaft. Das belegen Untersuchungen wie etwa das halbjährlich veröffentlichte „Eurobarometer”.

Danach bezeichnet insgesamt ein Drittel der EU-Gesamtbevölkerung sich selbst als „sehr” oder „ziemlich” rassistisch - auch in Deutschland. Das Sinus-Institut Heidelberg kommt zu dem Schluss, dass Nationalismus und Angst vor Überfremdung in der Bevölkerung kontinuierlich einen Anteil von 40 bis 48 Prozent erreichen, wobei allerdings nur vier Prozent Bereitschaft zeigen, ihrer Einstellung auch gewaltsam Nachdruck zu verleihen.

Besorgnis erregend an solchen Zahlen ist die Erkenntnis, dass Angst vor Überfremdung und Ausländerhass bis weit in die bürgerliche Mitte reichen. Xenophobie, der wissenschaftliche Begriff für Fremdenangst, „ist nicht auf bestimmte Schichten beschränkt, sie ist auch nicht allein eine Frage von mangelnder Bildung”, sagt der Münchner Sozialwissenschaftler Klaus Wahl vom Deutschen Jugendinstitut.