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Köln: Die Ärzte in Köln: Etwas verwirrt, aber dafür kraftvoll

Köln : Die Ärzte in Köln: Etwas verwirrt, aber dafür kraftvoll

Leider verloren. „Das wird heute ein Abend mit vielen Gesprächen, viel Gerede und etwas weniger Musik.”

So eröffnete Farin Urlaub das erste von zwei ausverkauften Konzerten der Ärzte am Montagabend im Kölner Palladium. „Wir haben Streichhölzer gezogen, und dieser Abend hat den kürzeren gezogen. Dafür gibts dann morgen Rock satt.”

Wer das für einen Scherz des Leadsängers der Punkband aus Berlin gehalten hatte, der sollte sich wundern.

In den nächsten drei Stunden hielten sich Wort- und Musikbeiträge von Schlagzeuger Bela B., Bassist Rodrigo Gonzales und Gitarrist Farin Urlaub tatsächlich die Waage. Ungewöhnlich für eine Veranstaltung die weniger als Podiumsdiskussion, sondern vielmehr als Rockkonzert angekündigt war.

Leider verloren hatten die 4000 Ärzte-Fans dennoch nicht. Denn die drei Berliner zeigten sich zwar in den Diskussion mit sich selbst und dem Publikum zuweilen etwas verwirrt, dafür war aber die Musik kraftvoll und gerade heraus wie eh und jeh.

Nein, Energie haben die „Ärzte”, die immerhin seit Mitte der 80er Jahre auf den Bühnen der Republik rocken, nicht verloren. Sicher, älter sind sie geworden, aber auch professioneller.

Die durchschnittliche Akkordanzahl pro Lied dürfte sich zwar in den letzten 20 Jahren nicht wirklich erhöht haben, aber heute kommen statt Krach tatsächlich Texte und Musik im Saal an.

Und viele der - zugegebenermaßen wenigen - älteren Ärzte-Fans dürften etwa die Punkhymne „Elke” von 1987 anlässlich der „Unrockstar-Tour 2004” erstmals richtig verstanden haben.

Worte gehen bei den Ärzten also nicht mehr verloren. Wohl aber etwas der Punk. Schockten sie früher mit Liedern wie „Geschwisterliebe” noch das Establishment oder verwirrten es zumindest mit sinnfreien Texten wie „Zitroneneis”, so erschöpft sich ihr Punk heute in mittelklassigen Sticheleien gegen das Publikum.

Doch damit kamen sie in Köln nicht weit. Sobald es den 4000 im Palladium zu bunt wurde, konterten sie mit kölschem Liedgut und verwirrten damit ihrerseits die Band. Denn „Viva Colonia” kannten Farin, Bela und Rod ganz offensichtlich nicht.

So ging den Ärzten zeitweise schon mal der Faden verloren, was sie aber amüsant und mit maximalem Wortaufwand zu überspielen wussten. Und schließlich blieb ihnen immer noch der Ausweg über das nächste Lied, den sie mit Stücken von früher („Radio brennt”) bis zur aktuellen Doppel-CD „Geräusch” auch stets fanden. Einmal unterwegs wurden nebenbei auch sämtliche Hits wie „Schrei nach Liebe”, „Westerland” oder „Zu spät” mitgenommen.

Ursprünglich hätte dieser Weg die Ärzte auch nach Aachen führen sollen. Doch das für den 17. Mai geplante Konzert musste wegen „technischer Probleme” ausfallen. Leider verloren haben die Fans in der Region dennoch nicht.

Denn die Ärzte sind als Headliner für das „Königstreffen” von „einslive” am 4. Juli im Stadion Merkstein in Herzogenrath gebucht. Tickets gibt es unter 0241/5101192 in allen Zweigstellen unserer Zeitung.