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Aachen: Dialog nun noch wichtiger: Die Schau „Ex oriente” nach dem Irak-Krieg

Aachen : Dialog nun noch wichtiger: Die Schau „Ex oriente” nach dem Irak-Krieg

„Ex oriente - Isaak und der weiße Elefant” ist eine Ausstellung, die in Aachen vom 30. Juni bis 28. September weit mehr sein wird als die Präsentation kostbarer Kunstwerke aus drei Kulturen vom Jahr 800 an bis zur Gegenwart in Rathaus, Domschatzkammer und Dom.

Auf dem Hintergrund des Irak-Krieges hat das Projekt zusätzliche Tiefe erlangt - und das ist gegenwärtiges Ziel der Organisatoren, die in der nachempfundenen Reise von Bagdad über Jerusalem nach Aachen eine klare Botschaft sehen: Die Notwendigkeit, den Dialog zu verstärken und das gegenseitige Verstehen zwischen Juden, Moslems und Christen zu fördern. Am Mittwoch stellten sie die Planung vor.

„Die Ausstellung kommt!” Der kurze Satz, den Oberbürgermeister Dr. Jürgen Linden am Mittwoch im Namen aller aussprach, die am Projekt „Ex oriente” beteiligt sind, klang feierlich, ernst und zugleich äußerst entschlossen.

Aus Sorge, der Krieg im Irak würde auch Aachener Pläne zunichte machen, hatten viele Anfragen das Kulturdezernat erreicht.

Doch von Anfang an stand fest: Es wird eine Ausstellung geben, doch sie wird besonders im Rahmenprogramm und beim Blick auf die kritischen Positionen und Werke gegenwärtiger Künstler in so genannten „Störfeldern” noch eine deutliche Wandlung durchlaufen.

„So sehr wir die Märchen aus 1001-Nacht lieben, hier hat Märchenhaftes oder Verspieltes nichts zu suchen”, umschreibt es Kulturamtsleiter Heribert Zantis. Den Dialog der Kulturen und Religionen, aber auch die Auseinandersetzung mit der brisanten Gegenwart soll Grundton sein.

„Das ist unvermeidbar, wenn wir nicht noch weitere kriegerische Auseinandersetzungen wollen”, wirft Linden den Blick in die Zukunft. „Hierzu gehört auch eine intellektuelle Auseinandersetzung und eine Wahrung der Unterschiede.”

Gab es unmittelbare Auswirkungen auf die Ausstellung „Ex oriente”? „Leihgaben aus dem syrischen Raum wurden zurückgezogen, jedoch kamen aus dem israelischen Bereich vermehrt Zusagen”, berichtet Linden. „Es klingt vielleicht zynisch, aber die wesentlichen Werke für Kunst aus Bagdad befinden sich längst in europäischen Museen, die sie uns zur Verfügung stellen”, weiß Kulturdezernentin Isabel Pfeiffer-Poensgen.

Ziel der Organisatoren, die sich im Lenkungsausschuss treffen, ist es, mit dem Thema „einen geradlinigen Weg” zu gehen. Und ein Weg - eine Reise - ist auch Leitfaden der Ausstellung.

Ihr liegt die Mission des Juden Isaak zugrunde, der im Jahre 797 von Kaiser Karl dem Großen als Botschafter zu Kalif Harun al Rashid nach Bagdad geschickt wurde und mit einem weißen Elefanten als Geschenk von Bagdad über Jerusalem nach Aachen zurückkehrte. Auf seinen Weg begegneten ihm drei Kulturen sowie drei Glaubensrichtungen.

Über 450 Stücke aus 79 Museen der Welt liefern anschauliche Beweise für Errungenschaften und Kunstfertigkeiten jener Zivilisationen.

„Das allein ist uns nicht wichtig”, ergänzt Linden. „Wir werden den Dreiklang aus Religion, Kultur und Zivilisation zu einem Dauerthema in unserer Stadt machen. Seit der Zeit um 1970/80 hat sich das prozentuale Verhältnis in der Bevölkerung doch sehr verändert.”

Mit 60.000 Besuchern rechnet man bei „Ex oriente”, umfangreich und geprägt vom Nachdenken über gegenwärtige und zukünftige Formen eines friedlichen Zusammenlebens wird das Rahmenprogramm sein, zu dem neben kulturellen Veranstaltungen auch Podiumsdiskussionen und Möglichkeiten der Begegnung gehören.

„Trotz unserer haushaltspolitischen Situation konnten wir für ein finanzielles Volumen sorgen”, so Linden zum Abschluss. „Wir danken den Sponsoren, und wir würden uns über weitere Förderer freuen.”