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Vaals: Deutsche Taxis sollen in Vaals aushelfen

Vaals : Deutsche Taxis sollen in Vaals aushelfen

Wenn sich ein niederländischer Politiker für deutsche Unternehmen stark macht, so könnte man den Eindruck gewinnen: Europa funktioniert. Doch was in den Köpfen wünschenswert erscheint, stößt in der Realität oft auf enge Grenzen.

Ein Beispiel: Taxifahren im Dreiländereck. Schon längere Zeit beklagen Hotels und Gaststätten im niederländischen Vaals, dass sie nachts für ihre Gäste keinen Wagen bestellen können. „Das ist seit Jahren ein Problem,” meint Jean Paul Kompier, Abgeordneter der liberalen VVD im Vaalser Gemeinderat und selbst Restaurantbetreiber. Auch tagsüber hätten Geschäftsleute Schwierigkeiten, rechtzeitig zu ihren Terminen zu gelangen.

„Wenn der einzige Wagen für die ganze Region gerade von Simpelveld nach Maastricht unterwegs ist, muss man zwei Stunden warten,” meint er. Sein Vorschlag: Deutsche Taxifahrer, die nur einen Steinwurf entfernt am Klinikum stehen, sollen diesen Job künftig übernehmen dürfen.

Das ist für Fahrten innerhalb der Niederlande nicht erlaubt. Gleichwohl werden die Deutschen recht häufig ins Nachbarland gerufen, wenn es dort mal wieder einen Engpass gibt. Um mit dem Gesetz, dem Artikel 115 des „Beschlusses über den Personenverkehr” (BP 2000), nicht in Konflikt zu geraten, behelfen sie sich mit einem Trick: Sie müssen den Fahrgast erst über die deutsche Grenze bringen, ihn dort kurz aussteigen lassen, um ihn anschließend an sein eigentliches Fahrziel - zum Beispiel zum Flughafen nach Maastricht - zu bringen. Andernfalls droht ein Bußgeld in Höhe von bis zu 2200 Euro.

Ein Taxiunternehmer im niederrheinischen Kamp-Lintfort, Hans-Werner Gabrisch, ist vor rund anderthalb Jahren erwischt worden, als er niederländische Fahrgäste nach Deutschland bringen sollte, denen jedoch kurz vor der Grenze das Geld ausgegangen war. „Die Schutzpolizei ist hinter uns hergefahren und hat den Wagen beschlagnahmt,” berichtet Werner Baier, Betriebsleiter bei Gabrisch. Erst gegen Barzahlung von 1500 Euro sei das Auto wieder freigegeben worden, ein offizielles Verfahren oder einen Bußgeldbescheid habe es nie gegeben.

Auf niederländischer Seite wird indes vermutet, dass es nicht nur Kapazitätsengpässe sind, die die deutschen Taxifahrer über die Grenze treiben. Mathias Slangen, der zusammen mit seinem Bruder in Kerkrade und Vaals ein Fuhrunternehmen betreibt, behauptet, dass die günstigeren Fahrpreise seine Landsleute dazu veranlassen, die Aachener Taxizentrale anzurufen. „Ich fahre mit 80 Taxis und Bussen, 200 Mitarbeiter sind bei uns beschäftigt,” behauptet er. Er müsse viel mehr Regeln als die deutsche Seite beachten.

John Flas, Taxifahrer aus dem belgischen Kelmis, wird auch gelegentlich nach Vaals gerufen. „Ich habe kein Problem mit den Niederländern, denn ich komme aus der Region,” sagt er. Die deutschen Fahrer kämen jedoch nur selten aus Deutschland, sprächen kaum richtig Deutsch, seien daher dort nicht akzeptiert. Er wirft ihnen vor, beim Tanken jenseits der Grenze gezielt auf Kundschaft zu warten. Problemen dieser Art ist natürlich nicht über eine Änderung der Gesetzeslage beizukommen.

Obwohl es hier durchaus Möglichkeiten gibt. Denn im Artikel 116 der niederländischen Verordnung heißt es, dass ausländischen Fahrern eine auf ein Jahr beschränkte Sondergenehmigung erteilt werden könne. Diese sei an deutsche Fahrer allerdings noch nie erteilt worden, meint Lisa Neves Gonalves, Pressesprecherin im Verkehrsministerium. Sie sei für Polen gedacht, die ihre Landsleute zur Arbeit nach Holland bringen möchten, ohne mit leerem Wagen zurückzufahren.

Eine völlige europaweite Freigabe der Beschränkungen im Taxiverkehr ist auch von den Deutschen gar nicht gewollt. Klaus Konrad, Erster Vorsitzender der Aachener Taxizentrale, hat vor allem Angst davor, dass plötzlich Konkurrenten aus Polen vor der Tür stehen. Jean Paul Kompier jedoch meint: „Ob der Fahrer ein Deutscher, Spanier oder Chinese ist, ist mir völlig schnuppe.” Er hat einen Brief ans Verkehrsministerium geschrieben, um sich für die Interessen der Vaalser einzusetzen, die er im Gemeinderat vertritt. „In Den Haag darf man uns nicht das Taxifahren verbieten!”