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Köln: Deutsche Reisebüros stehen vor harten Zeiten

Köln : Deutsche Reisebüros stehen vor harten Zeiten

Als im Frühjahr die Fluggesellschaften reihenweise Kerosinzuschläge einführten, weil der Ölpreis stieg und stieg, rühmte sich die Lufthansa noch ihres „vorausschauenden Fuel Hedgings (Treibstoff-Hortens) und ihrer treibstoffsparenden, modernen Flotte”.

Mit den Termingeschäften am Ölmarkt und den vermeintlichen Spritsparmodellen war es nicht weit her. Auch Lufthansa erhebt mittlerweile einen Kerosinzuschlag auf Flugbillets.

Sparprogramm

Der Grund ist der stark gestiegene Ölpreis. Die Kerosinzuschläge der renommierten Fluggesellschaften reichen von zwei bis 32 Euro pro Flugstrecke - wohlgemerkt, pro Streckenabschnitt und somit jedes Mal, wenn man eine Maschine besteigt. Einige Gesellschaften wollen den Zuschlag zeitlich begrenzen oder machen ihn direkt vom Ölpreis abhängig.

Die niederländische KLM und die französische Air France wollen den Obolus streichen, sobald der Ölpreis 30 Tage hintereinander unter der Marke von 35 US-Dollar je Barrel liegt. Am Donnerstag kostete ein Barrel der Nordsee-Sorte Brent wieder mehr als 42 US-Dollar. Wie lange die Zuschläge gelten, bleibt also abzuwarten. Bei den Fluggesellschaften heißt es, man beobachte den Markt - also den Ölpreis und die Preispolitik der Wettbewerber. So heißt es bei Swiss, man werde „die Entwicklung auf dem Kerosinmarkt weiterhin aufmerksam verfolgen und gegebenenfalls entsprechende Anpassungen vornehmen”.

Sechs Prozent teurer

Nicht dem Ölpreis, sondern den Einsparprogrammen der Branche ist die neuerliche Preiserhöhung geschuldet. Seit Anfang September oder ab Oktober - je nach Fluglinie - werden Reisebüros von Kunden beim Kauf eines Flugtickets eine so genannte Servicepauschale verlangen. Nach Schätzungen des Verbandes der Reisebüros dürfte das die Tickets um etwa sechs Prozent verteuern.

Hintergrund ist: Lufthansa und 21 weitere Fluggesellschaften haben beschlossen, den Reisebüros beim Ticketverkauf keine Provisionen mehr zu zahlen. Bislang waren dies zwischen fünf und neun Prozent des Flugpreises. Die Reisebüros holen sich die entgangene Provision dann als Bearbeitungsgebühr vom Kunden.

Für die Tickets vieler Fluggesellschaften wird die Servicegebühr übrigens nicht nur im Reisebüro zu zahlen sein. Die Lufthansa und viele andere Airlines wollen die Gebühr auch für Flugscheine verlangen, die auf der Internetseite der Fluglinie, bei deren Callcenter oder deren Vertriebsbüros gekauft werden. Seit Anfang September müssen zum Beispiel Lufthansa-Passagiere eine Servicepauschale von 30 Euro für Inlands- und Europaflüge sowie 45 Euro für ein Langstreckenticket bezahlen. Ganz gleich, ob man bei Lufthansa oder im Reisebüro bucht - der Kunde kommt um die Gebühr nicht herum.

Glück für Frühbucher

Andere Airlines überlegen noch. Die US-Linie Delta hat auch in Deutschland die Nullprovision für Reisebüros eingeführt. Wer aber direkt bei Delta bucht, muss bislang keine Gebühr zahlen. „Es ist aber davon auszugehen, dass so eine Gebühr kommen wird”, sagte eine Delta-Sprecherin. United Airlines hat sie bereits eingeführt.

Das Bundeskartellamt hat das neue Vertriebsmodell gebilligt. Der Deutsche Reisebüro und Reiseveranstalter Verband (DRV) hatte im Juli vor dem Landgericht Köln zwar eine Klage eingereicht, doch ist mit einer endgültigen gerichtlichen Klärung erst in Jahren zu rechnen. DRV-Pressereferentin Sibylle Zeuch argumentiert: „Es widerspricht kaufmännischem Handeln, wenn ein Vertragspartner von einem anderen Vertragspartner die Erbringung kostenloser Leistungen verlangt.” Das Vertragsangebot der Lufthansa sei daher auch sittenwidrig.

Bis zur letzten gerichtlichen Klärung haben die „Servicepauschalen” in jedem Fall Bestand. In den USA war die Nullprovision für Reisebüros bereits 2001 von großen Airlines eingeführt worden. Nach Branchenangaben ging daraufhin bis heute jedes dritte Reisebüro bankrott.

„Provisionen bleiben unverändert”

Manche Fluggesellschaften heben die Preise allgemein an, so etwa der Düsseldorfer Ferienflieger LTU. Ab November steigen die Preise für Hin- und Rückflug bei Kurz- und Mittelstrecken um insgesamt drei bis sechs Euro, bei Langstrecken um insgesamt 16 Euro. Dies gelte sowohl für die an Reiseveranstalter verkauften Tickets als auch für die Einzeltickets, die LTU direkt an Kunden abgibt. „Die Provisionen, die wir den Vertriebspartnern zahlen, bleiben unverändert”, so LTU-Sprecher Marco Dadomo. Daher werde LTU keine Servicepauschale einführen. Andere Fluglinien wie KLM, Lufthansa und British Airways hatten in den vergangenen Tagen oder Wochen bereits die Preise angehoben. Lufthansa hatte die Preise für Interkontinentalflüge zum 1. Juli um drei Prozent angehoben. Die niederländische KLM erhöhte die Preise für Übersee-Flüge Anfang September um ein bis drei Prozent - je nach Buchungsklasse.

Wer sein Flugticket schon vor Wochen oder Monaten zuschlagfrei gekauft hat, kommt übrigens um die Gebühren herum - bei allen Airlines.