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Münster: Der Mann mit der Haartolle: Götz Alsmann wird 50

Münster : Der Mann mit der Haartolle: Götz Alsmann wird 50

Die markante Haartolle im Stil der 50er Jahre ist sein Markenzeichen, und auch musikalisch ist Götz Alsmann in dem Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts zu Hause. Der Musiker und Entertainer arbeitet daran, den als schmalzig verschrienen deutschen Schlager der Nachkriegsjahre vom Staub zu befreien.

Auf Jazz getrimmt und ohne Pathos bringt er die Lieder der Wirtschaftswunderjahre auf die Bühne. Dabei vereint Alsmann eine ganze Menge Begabungen. Viele Wochen im Jahr geht er mit der eigenen Band im deutschsprachigen Raum auf Tournee, spricht Hörbücher, moderiert Sendungen im Radio und Fernsehen, singt, textet, komponiert. Und überall ist er der Mann am Klavier. Am 12. Juli wird Alsmann 50 Jahre alt.

„Ich bin jemand, den der Erfolg erst spät in einer langen Laufbahn eingeholt hat”, sagt unumwunden der stets formvollendet auftretende Künstler aus Münster. Vor gut einem Jahrzehnt kam der Durchbruch. Seitdem empfängt er regelmäßig in der mit dem Grimme-Preis ausgezeichneten Sendung „Zimmer frei” im WDR-Fernsehen mit Christine Westermann einen Gast zum Gespräch im schrägen Ambiente einer Wohnküche. Und seit zehn Jahren setzen Alsmann und seine vierköpfige Band in ihren Programmen nur noch auf deutsche Schlager.

Obwohl das Wort vielen miefig klingen mag, für seine Musik hält Alsmann an der Beschreibung „Schlager” fest, wenn auch mit dem Zusatz „Jazz-Schlager”. „Ich denke, wir müssen uns das Wort zurück erobern”, meint er freundlich und bestimmt. Denn in die Kategorie fallen auch Lieder, die Sänger wie Hildegard Knef, die Comedian Harmonists, Heinz Erhardt oder Bully Buhlan angestimmt haben. Deutschsprachige Popmusik sei wieder häufiger im Radio zu hören, stellt er erfreut fest. „Es kann nicht ignoriert werden, dass das Publikum es hören will”.

Eine Schieflage sieht der Musiker Alsmann aber doch in manchen Programmen, die generell auf Deutsch gesungene Musik auszuschließen scheinen, und redet sich dabei fast in Rage: „Wenn man in schlechtem Schulenglisch einen dilettantisch dahingestümperten Satz singt, hat man bei manchen Sendern eine größere Chance, als die, die sich im muttersprachlichen Bereich in höchster Perfektion ausdrücken.”

In seinen Jugendtagen in Münster hat Götz Alsmann die Haartolle und die Kleider aus den Schränken seiner Großväter für sich entdeckt. Inzwischen war der Mann mit der Vorliebe für gedeckte Anzüge, Einstecktücher und Manschettenknöpfe auch schon „Krawattenmann” und „Brillenträger des Jahres”. Im westfälischen Münster ist Alsmann bis heute zu Hause und eine feste Größe. Unter anderem hat er für die Städtischen Bühnen eine populäre Revue über den Schlagerkomponisten Michael Jary geschrieben, die nun in die dritte Spielzeit geht.

Seit 2005 moderiert der promovierte Musikwissenschaftler im ZDF zwei Mal im Jahr die Klassik-Show „Eine große Nachtmusik”, mit stetig steigenden Zuschauerquoten. Dabei wird Alsmann zum kenntnisreichen Mitspieler seiner Gäste: als Begleiter am Klavier, Banjo oder Akkordeon. Der Entertainer vom Typ „schräger Vogel” schafft den Brückenschlag von Künstlern aus der ernsten Musik wie dem Bassbariton Thomas Quasthoff und einem Liedermacher wie Reinhard Mey.

Auf seiner siebten deutschsprachigen, vor ein paar Wochen erschienenen Platte „Mein Geheimnis” frönt Alsmann seinem Faible für das deutsche Unterhaltungslied der Nachkriegszeit. Mit frischem Swing und kühlem Anschlag kommen Lieder daher, die einst Künstlerinnen wie Evelyn Künneke oder Margot Hielscher sangen. Das Album ist bei dem legendären Jazz Label Blue Note erschienen und Alsmann der erste deutsche Solokünstler, der darauf unter Vertrag genommen wurde. In den kommenden Jahren soll es für ihn wie bislang weitergehen beim Radio und Fernsehen, mit einer neuen Platte alle zwei Jahre und jährlich gut 100 Konzerten.