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Baden-Baden: Der Mann am Klavier: Paul Kuhn wird 75

Baden-Baden : Der Mann am Klavier: Paul Kuhn wird 75

Seine Eltern wollten einen Konzertpianisten aus ihm machen. „Das ist ihnen misslungen”, sagt Paul Kuhn rückblickend und erinnert sich schmunzelnd daran, dass seine Klavierlehrerin das kleine Paulchen für einen eher mäßigen Pianisten hielt.

Doch ins ernste Fach wollte er ohnehin nie. Der Bandleader, Komponist und Arrangeur, der am Mittwoch 75 Jahre alt wird, war von Anfang an vor allem ein Showtalent: Über Jahrzehnte war er aus der deutschen Fernsehunterhaltung nicht wegzudenken.

Dennoch, das Piano wurde zum Markenzeichen des Vollblutmusikers: Als „Mann am Klavier” - sein erster großer Hit - blieb er in den 50er Jahren ein gutes halbes Jahr in den Top Ten der Schlagerhitparade.

Das Herz des 1928 in Wiesbaden geborenen Paul Kuhn gehörte schon früh dem Jazz. Während des Dritten Reichs hörte er heimlich ausländische Sender ab und hörte beispielsweise Glenn Miller - jenen entspannt swingenden Sound, mit dem er später selbst als Dirigent der SFB-Bigband der eher biederen deutschen Fernsehunterhaltung einen Schuss amerikanische Lockerheit verpassen sollte.

Paul Kuhn war gefragt, nicht nur als Musiker: In seinen Shows wie „Hallo Paulchen” und „Pauls Party” erwies er sich als Unterhaltungstalent. 1968 übernahm er die Leitung der SFB-Bigband, mit der er international Erfolge feierte.

Im Gegenteil: Seit einigen Jahren reüssiert er wieder in dem Genre, in dem er angefangen hat - als Jazzer. Er spielt Standards wie „As Time Goes By” oder „Take the A-Train” ein, gepflegte Barmusik, die der kleine Mann am Klavier mit viel Herzblut intoniert.

Und weil er sich für das ruhige Leben zu Hause im schweizerischen Skiort Lenzerheide noch zu jung fühlt, steht er nach wie vor auf der Bühne, beispielsweise mit den „Swinglegenden”Max Greger und Hugo Strasser.

Und die nächste Tournee mit einer neuen Jazzformation steht schon fest. Start ist am 28. März in Freiburg.