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Köln: Der König des Flamenco regiert mit glänzendem Körper

Köln : Der König des Flamenco regiert mit glänzendem Körper

Seit 1975 regiert Juan Carlos Spanien, zurzeit regiert er Köln. Zwar heißt der in der Philharmonie gekrönte König mit Nachnamen nicht Bourbon y Borbon, sondern schlicht Calleja, aber seine Gefolgsleute kümmert das herzlich wenig.

Von dem magischen Moment an, als er, mit nacktem, braunem, seidigem Oberkörper, aus der Phalanx der rotsamtenen Tänzerinnen auftaucht, huldigt ihm das Publikum.

Jede Armbewegung ist Gebot, jeder Hüftschwung Gesetz, jedes Tremolieren seiner Absätze lustvolle Vernichtung.

Was für ein Herrscher, Beherrscher, Behexer! Natürlich hat Juan Carlos Calleja leichtes Spiel, denn bei der Premiere des „Ballet Teatro Espanol de Rafael Aguilar” tanzt er nicht nur den Solo-Part des Titelstücks „Bolero Flamenco”, sondern der neue Rhythmus-Regent hat auch den mit Abstand erotischsten Part der ganzen Show im Rahmen des 17. Kölner Sommerfestivals für sich gepachtet.

Strahlender Stern

Auch Francisco Guerrero, Solist in „Farucca” aus der „Suite Flamenco”, erntet nach 150 Minuten (mit Pause und Zugaben) kräftigen Applaus.

Aber gegen den seidenhäutigen Monarchen, der im Bolero-Schlussbild die Tänzerinnen mit ihren schwarzbestrumpften Beinen und blutrot glockigen Röcken bekrönt wie ein strahlender Stern ein Feld von Sturm-zerzaustem Klatschmohn, kommt er nicht an.

Technisch ist er ihm ebenbürtig, aber seine hagere, hoch aufgeschossene Figur, mit den langen Armen und Beinen entspricht weniger dem Ideal des Flamenco-Tänzers, da nützt es ihm wenig, dass er einen Spazierstock zur Hand nimmt, um das grandios zu persiflieren - denn alles, was dieser Tänzer auszieht, ist sein Jackett.

Die junge Tänzerin Marina Claudio hat Mut, wenn sie als Solistin in „El Rango”, einer Choreografie, die das „Teatro Espanol de Rafael Aguilar” 1979 frei nach Federico Garcia Lorcas Drama „Bernarda Albas Haus” für das spanische Nationalballett schuf, den Beginn des Abends wagt. Karg, puristisch, kalt, die Szenerie.

Gregorianische Choräle, ein Kreuz, ein Toter. Fünf Schwestern, eine Mutter, kein Leben: Verschleiert, versteinert, verbarrikadiert. Die Mutter regiert, die Töchter gehorchen. Eine versucht auszubrechen - die jüngste Tochter (Marina Claudio).

Auch für Marina Claudio gibt es viel Applaus. Aber nicht genug. Nicht annähernd. Einsteigern bietet „Bolero Flamenco” einen temperamentvollen und technisch versierten Überblick, was die ganze Bandbreite des Genres betrifft.