„Der Geizige“ im Grenzlandtheater Aachen

Molière als Slapstick-Show : „Der Geizige“ turbulent im Grenzlandtheater

Geld oder Liebe: Catharina Fillers inszeniert Molières „Der Geizige“ im Grenzlandtheater – als ganz schön überdrehte Slapstick-Show.

„Statt einem Herzen hat er einen Geldsack in der Brust“, sagt Heiratsvermittlerin Frosine über Harpagon, den Geizigen. In Erwartung einer kräftigen Entlohnung versucht sie, Harpagons Kinder mit den vom Vater vorgesehenen Partien zu vereinen. Eva Horstmanns Frosine ist als Strippenzieherin überzeugend intrigant und einschmeichelnd.

Harpagons Kinder – Johanna Steinhauer als trotzig-naive Elise und Martin Krah als gewitzter, zupackender Cléante – stellen sich gegen den Willen ihres Vaters: Beide sind anderweitig verliebt. Charles Ripley zeichnet Harpagon mit starker Mimik als von der Last des Geldes zerfressenen, verbitterten Zyniker.

Die barocken schwarzen Kostüme (Teresa Mielich) und roten Perücken werden kombiniert mit modernen Turnschuhen, die Schlichtheit der Bühne (Manfred Schneider) wird unterbrochen von einem gigantischen hellgelben Sessel. Das ermöglicht dem Ensemble ein turbulentes, fast akrobatisches Treiben.

Die Inszenierung nimmt den Bruch auch im Text auf: Grob am Originaltext entlang werden immer wieder Ausdrücke und Phrasen aktueller Umgangssprache eingeworfen. „Voll munter, voll lebendig“, kommentiert Mariane (Christine Schaller) Harpagons Zustand, der ihr als greiser, lukrativer Ehepartner angepriesen worden ist.

Überraschend banalisierende Kommentare wie dieser schlagen den Bogen ins Heute und sorgen immer wieder für spontane Lacher. Die Bediensteten Jacques (Marius Schneider) und Valère (Bernhard Glose) liefern sich einen unterhaltsamen Schlagabtausch mit perfekt choreographierten Raufszenen.

Die musikalische Live-Untermalung unter der Leitung von Matthias Manz ist hervorragend: Mit Gitarren, Ukulele und Flöte liefert das Ensemble einen Soundtrack, der zum Song-Raten (von „My heart will go on“ bis „Ti Amo“) einlädt.

Insgesamt überspannt Catharina Fillers’ Slapstick-Inszenierung den Bogen allerdings. Die Tröte, die jeden Aufprall des die Geldkassette symbolisierenden roten Kissens sowie den ein oder anderen „Plumps“ der Protagonisten untermalt, sorgt an einigen Stellen für Lacher, wird aber über die 90 Minuten Spielzeit stark überstrapaziert.

Nachdem seine Kinder Harpagon gestanden haben, für wen ihr Herz wirklich schlägt, werden die falschen Enthüllungen immer abstruser und das Hin und Her auf der Bühne immer turbulenter. Zum Happy End bleibt es konsequent knallig: Das ganze Ensemble singt Barett Strongs „Money (That’s what I want)“.

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