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Aachen/München: Der Dichter und seine Kopfgeburt

Aachen/München : Der Dichter und seine Kopfgeburt

Wenn Marcus Bosch an den kommenden Dienstag denkt, dann, sagt er, spüre er schon ein bisschen Nervosität. An diesem Tag wird er im Münchener Prinzregententheater die Uraufführung der Oper „Maldoror” des in Aachen geborenen Komponisten Philipp Maintz dirigieren.

Bosch wird vor „seinem” Aachener Sinfonieorchester stehen, der Abend wird die 12. Münchener Biennale für neues Musiktheater eröffnen. Man kann die Anspannung des Generalmusikdirektors also nachvollziehen.

Das Projekt: „Maldoror” ist eine Koproduktion der Münchener Biennale mit dem Theater Aachen und dem Theater Basel, gefördert vom NRW-Kultursekretariat. Sie geht letztlich zurück auf eine Initiative und Idee von Peter Ruzicka, dem künstlerischen Leiter der Biennale, Komponisten und Dirigenten, der auch schon in Aachen zu Gast war. Bosch seinerseits hat schon 2008 bei der Biennale dirigiert.

Das Stück: Philipp Maintz hat „Maldoror” für die Möglichkeiten des Theaters seiner Heimatstadt geschrieben. Die Oper basiert auf den „Gesängen des Maldoror” aus dem Jahr 1869 des jungen französischen Dichters Isidore Lucien Ducasse, der unter dem Pseudonym Comte de Lautramont ein Vorreiter des Surrealismus war. Das Libretto hat Thomas Fiedler geschrieben, auch der in Aachen kein Unbekannter.

Von 2005 bis 2007 war er Mitglied der Künstlerischen Leitung des Theaters und Leiter des Mörgens. Maintz und Fiedler haben die Vorlage auf sieben Szenen und drei Hauptpersonen verdichtet: den Dichter Lautréamont, dessen Kopfgeburt Maldoror und eine „Voix de Soprano”. Dichter und Kreatur verstricken sich in einen final sogar blutigen Kampf. Maintz, so kündigt es das Theater selbst an, hat dafür eine Partitur geschrieben, die „Kontraste von kammermusikalischem Filigran bis zu heftigen Explosionen und Eruptionen mobilisiert”.

Bosch spricht von einer Musik, die der Konzentration der Musiker, der Stimmtechnik der Sänger und dem Kopf des Theaterbesuchers über knapp 120 Minuten einiges abverlange. Musik, die streng mathematisch-logische Tonsetzung mit sinnlichen Momenten glücklich vereine. Es geht durchaus atonal zu, trotzdem oder gerade deswegen: Man darf, wie Bosch, gespannt sein.

Das Sängerensemble: Die Titelpartie bestreitet Martin Berner, Bariton im Aachener Ensemble, dem Maintz die Musik auf den Leib geschrieben hat. Den Lautréamont singt der Bassbariton Otto Katzameier, als Sopran-Stimme ist Marisol Montalvo zu erleben, die sich Maintz ausdrücklich gewünscht hat. Ihrer Stimme wird alles abverlangt, von den dunkelsten Tiefen zu Beginn bis zu den äußersten Höhen in der Schlussszene.

Alle sind Spezialisten für Neue Musik. Als Mutter und Vater agieren mit Leila Pfister und Lasse Penttinen zwei Aachener Ensemblemitglieder, als Kind sind alternierend die drei Aachener Schüler Julius Schneiders, Hektor Zenner und Alan Chadenas zu sehen, die nicht nur erstaunliche Stimmfertigkeit mit sich bringen, sondern auch der französischen Sprache glänzend mächtig sind. Denn gesungen wird in Originalsprache.

Das Regieteam: Die Regie liegt in den Händen von Georges Delnon, Intendant des Theaters Basel, und Joachim Rathke. Das Bühnenbild hat Roland Aeschlimann entworfen. Gebaut wurde es in Berlin, die Aachener Schlosserei war schlechtweg zu klein. Für die größeren Häuser in München und später Basel (wo übrigens nicht das Aachener Orchester spielen wird) wird das futuristische Konstrukt sogar noch ergänzt. Die Kostüme stammen von der Schweizerin Marie-Thérse Jossen.

Die Infrastruktur: Die Produktion ist natürlich eine große Herausforderung für das Theater Aachen. Der Großteil der musikalischen und szenischen Proben wurde naturgemäß hier absolviert. Am Freitag reisten die Solisten und der Dirigent bereits nach München, heute folgen die Orchestermusiker. Das Bühnenbild wurde bereits Anfang der Woche in den Süden transportiert. In den kommenden Tagen wird nun im Prinzregententheater weiter geprobt - bis zur mit Spannung erwarteten Uraufführung am Dienstag.

Bosch sagt bereits im Vorfeld, dass er sehr stolz sei auf diese Produktion. Es wird auch in Aachen zu erleben sein.

Nach dem Uraufführung am Dienstag ist „Maldoror” noch am kommenden Donnerstag und Freitag im Münchner Prinzregententheater zu sehen. Die Premiere im Theater Aachen ist am Samstag, 8. Mai, 19.30 Uhr. Weitere Aufführungen am 11., 15., 23., 27. und 30. Mai. Im Oktober/November geht die Produktion dann nach Basel.