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Köln: Der „Banana Boat Song” taut das Publikum auf

Köln : Der „Banana Boat Song” taut das Publikum auf

In einem Alter, in dem andere längst ihren Ruhestand genießen, gönnt sich Harry Belafonte keine Schonung: Auf seiner Europa-Tournee machte der 76-jährige in der Kölnarena Station und bot dort zweieinhalb Stunden volles Programm.

Ein bisschen steif ist er schon in den Hüften, bisweilen liegt ein zarter Raureif auf der Stimme - aber wer sonst liefert mit seinen Jahren noch so eine gelungene Show?

Mit einem temperamentvollen Medley als Zugabe ging sie zu Ende, und das zu einem Zeitpunkt, wo ein recht müdes Kölner Publikum dann endlich doch noch aufgetaut ist.

Normalerweise sieht man solche Zuhörer in klassischen Konzerten. Sie sind im Rentenalter, tragen Anzug oder Kostüm und entwickeln die Leidenschaft von Reptilien in der prallen Mittagshitze.

Insofern konnte Harry Belafonte einem Leid tun. In der zwar vollen, aber nicht ausverkauften, Kölnarena lief er mal charmant, mal kritisch und meistens unverändert stimmgewaltig zur Hochform auf, aber das Publikum saß auf seinen Plätzen wie fest geschraubt.

Um die trägen Massen zu bewegen, brauchte es gute zwei Stunden und Belafontes vielleicht - zumindest in Deutschland - größten Hit, den „Banana Boat Song”. Bei den ersten „Day-O”-Klängen ereignet sich dann ein kleines Wunder: Plötzlich steht die ganze Halle, und wer irgend kann, strebt nach vorne, zur Bühne.

Der Stimmungswechsel bleibt auch Mr. Belafonte nicht verborgen. „This is Banana-Country”, kommentiert er die veränderte Situation, schüttelt Hände und nimmt empor gehaltene, schon ein wenig kopflastige Rosen entgegen. Nett von ihm, dass er nicht „Banana-Republic„ gesagt hat.

Die Unbeweglichen hätten´s verdient. Mit Mamadou Ba (Bass), Gilmar Gomes (Percussion), Aaron Johnston (Drums), Sarah Mann (Voc.), Anthony Mills (Voc.), Melanie Po (Voc.), José Neto (Gitarre, musikalische Leitung) und Etienne Stadwijk (Keyboards) kann sich Belafonte auf eine überaus fähige Band verlassen.

Souverän gönnt er jedem Mitglied ein Glanzlicht - besonders überzeugend: das Drum-Solo - und den Chorsängern ein eigenes Stück.

Wobei er bereitwillig in den Hintergrund tritt und einen Platz im, wie er sagt, „Hallelujah Chor” einnimmt. Natürlich bringt er „Matilda”, und auch „Jamaica Farewell”, darf nicht fehlen, aber beides klingt neu und ist frisch arrangiert.

Mitsingen zumindest kann das Publikum, ziemlich gut sogar, und wird dafür dann ausgiebig gelobt. Zwischen den insgesamt 14 Stücken spricht sich Belafonte noch einmal sehr deutlich gegen den Irak-Krieg aus, lobt die Haltung der Deutschen, erinnert an seine Unicef-Mitstreiterin Audrey Hepburn (der er mit „Try To Remember” ein Stück widmet) oder an Nelson Mandelas langjährige Haft im Land der Apartheid.

Er imitiert das jamaikanische Englisch, erzählt von seiner Kindheit und nimmt sich selbst auf die Schippe: „In meinem Alter kann man schon mal vergesslich sein.”