Köln: Der Baesweiler Christoph Mathieu ist Autor der ZDF-Erfolgsserie „Professor T.“

Köln: Der Baesweiler Christoph Mathieu ist Autor der ZDF-Erfolgsserie „Professor T.“

Er tickt nicht richtig — oder genau richtig: Matthias Matschke macht als ebenso exzentrischer wie autistischer Kölner Kriminalpsychologe Professor Jasper Thalheim eine herausragend gute und originelle Figur beim Freitagskrimi im ZDF.

„Professor T.“, das Remake einer belgischen Serie, war in der ersten Staffel im Februar 2017 ein großer Erfolg und wird nun zu besserer Sendezeit (freitags um 20.15 Uhr) fortgesetzt. Als „Headautor“ verantwortete der aus Baesweiler stammende Autor und Journalist Christoph Mathieu drei von vier Drehbüchern. Mit ihm sprach Günter H. Jekubzik.

Er bestimmt, was die Figuren sagen und tun: Christoph Mathieu. Foto: Christoph Mathieu

Was ist Ihr Job beim Schreiben an „Professor T.“?

Christoph Mathieu: Ich habe als Drehbuchautor die gesamte Staffel inhaltlich mitentwickelt und drei von vier Folgen geschrieben. Das heißt, ich bestimme, was die Figuren sagen und was sie tun.

Mit wem arbeiten Sie zusammen?

Mathieu: Gemeinsam mit dem Regisseur Thomas Jahn („Knockin’ on Heavene_SSRqs Door“) und meinem Autorenkollegen Sebastian Heeg haben wir die großen Bögen entwickelt, die sich über die gesamte Staffel spannen — etwa die Geschichten, die den Ermittlern und dem Professor privat passieren. Die in sich geschlossenen Kriminalfälle der einzelnen Folge haben wir dann jeweils allein konstruiert.

Wie wichtig ist die Entwicklung der Figur?

Mathieu: Die Hauptfigur Jasper Thalheim — Professor T. — ist sehr komplex und wird von Matthias Matschke sehr feinfühlig gespielt und interpretiert. Tatsächlich unterscheidet sich unser deutscher Professor vom belgischen Original, was schon damit zu tun hat, dass die Hauptdarsteller sehr unterschiedlich sind. Matthias spielt Jasper Thalheim als einen großen Intellektuellen, der nur vordergründig komisch wirkt. Hinter der arroganten Fassade ist der Professor ein düsterer Mensch mit sehr tiefen Abgründen.

Wir achten beim Schreiben darauf, dass wir die dunkle Seite von Jasper Thalheim sehr ernst nehmen — und seine Ängste und Neurosen nicht einfach nur ein Charaktermerkmal, sondern wirklich der Antrieb der Figur sind. Der Professor kann gefährlich werden und ab und an tritt seine dunkle Seite sehr deutlich zu Tage. Das macht das Format, das im Großen und Ganzen sehr leicht erzählt ist, so spannend. Der Professor kann jederzeit zuschnappen, man weiß nie, was er als Nächstes tut, mit wem er in einen Konflikt gerät.

In welchen Schritten wird so ein Drehbuch entwickelt?

Mathieu: Die Adaption der belgischen Serie handhaben wir sehr frei. Es läuft so ab, dass wir zu Beginn des Prozesses — Anfang 2017 — die belgischen Drehbücher lesen und schauen, was wir davon für die deutsche Version verwenden können. Schon in der ersten Staffel, bei der ich noch nicht mit an Bord war, hat man sich vom belgischen Original entfernt. Das liegt zum einen daran, dass die Folgen in Deutschland länger sind, zum anderen, dass wir in Deutschland andere Erzählgewohnheiten als in Belgien haben und entsprechend andere Tonalitäten anschlagen, die beim deutschen Publikum besser ankommen. Sobald in der großen Gruppe vereinbart wurde, was wir aus der Vorlage übernehmen, was wir anders machen und was wir hinzufügen, geht jeder Autor an seine Folgen. Wenn alle Folgen richtig konstruiert sind, beginnen die Autoren, die Szenen auszuarbeiten und die Dialoge zu schreiben.

Wie kommen Sie dazu, bei so einem kultigen Projekt Drehbuch zu schreiben?

Mathieu: Als Kind wollte ich immer Autor werden — und da ich als Kind auch schon geschrieben habe, war ich wohl auch schon immer einer. Mein zehnjähriges Ich wäre wohl sehr zufrieden, wenn es wüsste, dass ich jetzt Geld mit dem Schreiben verdiene. Ich habe das Drehbuchschreiben an der Internationalen Filmschule Köln gelernt und habe seitdem für viele verschiedene Projekte gearbeitet, unter anderem auch für Dokumentarfilme.

Aber natürlich ist es etwas ganz Besonderes, eine 20.15-Uhr-Serie fürs deutsche Fernsehen schreiben zu dürfen. Das will wohl jeder deutsche Drehbuchautor machen. Erst recht mit einem Format wie „Professor T.“, das besonders ungewöhnlich und wild ist.

Gibt es von der ersten zur zweiten Staffel eine weitere Entwicklung?

Mathieu: Thomas Jahn und Matthias Matschke haben in der ersten Staffel die Figur Jasper Thalheim sehr klar entwickelt. Ich würde sagen, wir haben ihn in Staffel 2 bis an den Rand seiner seelischen Abgründe geschickt — und vielleicht sogar ein kleines Stück darüber hinaus. Das macht die zweite Staffel etwas düsterer, wenn auch nicht weniger unterhaltsam als die erste. Obwohl Thomas Jahn sehr klare Vorstellungen hat, ist er sehr offen für neue Ideen und für jedes erzählerische Experiment. Außerdem hat es mir gefallen, dass auch der (in Hückelhoven geborene, die Red.) Thomas aus meiner Heimatregion kommt, da besteht natürlich gleich eine Grundsympathie.

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