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Berlin: Der Bär ist ernst: Berlinale auf sehr hohem Niveau

Berlin : Der Bär ist ernst: Berlinale auf sehr hohem Niveau

Kurz und heftig erwies sich der Wettbewerb der um zwei Tage geschrumpften 53. Berlinale 2003. Die 23 Beiträge in Konkurrenz um die Goldenen Bären waren keine lustige Sache, aber das war nur thematisch bedingt.

Drei Flüchtlingsgeschichten, Todesstrafe, Morde und Selbsttötungen, Liebesdramen... zum Lachen musste man in die anderen Sektionen umziehen.

Doch die Qualität hielt ein interessiertes Publikum bei der Stange. Während auf dem Filmmarkt, der die Rechte zukünftiger Kinofilme verhandelt, verhalten geklagt wird, strömten die Zuschauer in die Kinos am Potsdamer Platz und den anderen Spielorten Berlins.

Äußerst geschickt war die Star-Choreografie in der zweiten Berlinale unter Dieter Kosslick: Am ersten Wochenende wollte der Starreigen gar nicht enden, die erhöhte Aufmerksamkeit für das Festival war gesichert, in der Woche wurde der Promistrom dünner, aber vor allem die deutschen Filme im Wettbewerb hielten die Spannung und nun rätselt jeder, wer am Samstagabend im Berlinale-Palast die Ehren-Bären empfangen wird.

Favoriten gibt es keine - dazu waren die Beiträge zu verschieden: Das Drama „The Hours” um Virginia Woolf und zwei Leserinnen war ausgezeichnet inszeniert und gespielt. Mit Meryl Streep, Nicole Kidman und Julianne Moore ein Tip für den Schauspielerpreis.

Spike Lee zeigte in „25th Hour” die letzten Stunden eines Verurteilten in Freiheit und beklagte sein verwundetes New York. Das gäbe in den USA sicher einen Preis, aber in Berlin wird eine andere Politik gemacht.

Das Filmfestival unter dem Motto „Towards Tolerance” (Zu mehr Toleranz) und ein besonderes Unicef-Event „Cinema for Peace” nutzten viele amerikanische Stars wie Dustin Hoffman, um sich fern von der Heimat gegen einen Krieg der USA auszusprechen.

Nur Dennis Hopper wurde beim jungen Talent Campus für seine Pro-Bush-Äußerungen ausgebuht. Berlin, der alte Schnittpunkt zwischen West und Ost erwies sich 2003 als Forum fürs Nachdenken und offene Kritik.

Der deutsche Film erfreut sich bei der neuen Berlinale weiterhin großer Beliebtheit, sowohl die drei Filme im Wettbewerb („Good Bye, Lenin”, „Lichter”, „Der alte Affe Angst”) als auch die Nachwuchsarbeiten in den „Perspektiven” fanden reges Interesse.