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Aachen: Der Airbag-Klau geht immer häufiger um

Aachen : Der Airbag-Klau geht immer häufiger um

Die Kriminellen der Fachrichtung Automobiles wenden sich in der Region immer öfter einen neuen Form des Diebstahls zu: Sie brechen die Autos auf und bauen hochwertige Teile aus.

Im Februar verschwanden über Nacht die Airbags aus rund 50 Neuwagen, die auf dem Hof eines Händlers in Geilenkirchen geparkt waren, zuvor schlugen die Teile-Klauer bei einem Volkswagenhändler in Aachen zu. Ende April schließlich bedienten sie sich dort an einem in einerTiefgarage abgestellten BMW und nahmen das Steuergerät mit.

Landesweit hat der neue Trend der Kfz-Kriminalität massive Formen angenommen: Seit 2001 sei ein Schaden von mehr als 800.000 Euro entstanden, rechnen die Experten des Landeskriminalamtes vor - die bislang in diesem Jahr aufgetretenen Fälle sind dabei noch nicht eingerechnet. Und die dürften zu einer erheblichen Steigerung der Schadenssumme beitragen: „Von Januar bis April sind uns 85 Fälle gemeldet worden”, erklärt Fredrick Holtkamp von der LKA-Pressestelle.

Anfangs noch ungeschickt

Anfangs stellten sich die Autoknacker noch recht ungeschickt an: „Die Täter bauten damals nur die Airbags aus, nicht jedoch die Technik wie das Steuergerät.” Heute hingegen verschwinde die gesamte Technik en bloc, und das sehr zügig. Die Täter müssen also genau dort geballtes Fachwissen besitzen, wo so mancher Automechaniker entsetzt aufstöhnt: Bei der hochkomplizierten Elektronik moderner Mittel- und Oberklasseautos, vorzugsweise aus deutscher Produktion.

„Der Ausbau eines Airbags ist nicht ganz leicht”, erklärt Holtkamp und verweist auf andere „Technik-Pakete”, für die sich die Täter interessieren: Gern genommen werden auch Frontscheinwerfer-Garnituren mit Xenon-Licht.

Geld sparen

Die Täter vermutet das LKA zum großen Teil in Osteuropa, die Diebstähle betrachten die Fahnder als Folge der Exportwelle über die Grenzen: „Es besteht der Verdacht, dass die Täter hier zunächst Totalschäden aktueller Fahrzeugtypen aufkaufen, um sie in ihren Heimatländern instandzusetzen”, erklärt Holtkamp; die Ersatzteile wie Airbags oder Lampen werden dann gestohlen und in die Unfallwagen eingebaut. Damit lässt sich eine Menge Geld sparen: „Der Wiederbeschaffungswert einer Scheinwerferkombination kann bis zu 1400 Euro betragen”, rechnet Holtkamp vor; für einen Airbag muss man am Ersatzteiltresen zwischen 300 und 500 Euro hinblättern.

Bei den Autohändlern der Region kursiert noch eine weitere Theorie über den Verbleib der ausgebauten Teile: Sie wandern über die Grenze - allerdings in Richtung Westen, um dort als Ersatzteil weiterverkauft zuwerden. Der LKA-Sprecher zu dieser Vermutung: „Auch das kann ich nicht ausschließen.”