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Köln: Dem Erfinder vom Kater Fritz ist nichts heilig

Köln : Dem Erfinder vom Kater Fritz ist nichts heilig

Fritz ist nicht nur der wahrscheinlich „schmutzigste”, sondern auch der wahrscheinlich berühmteste Kater der Welt.

Der getigerte Bursche ist ähnlich verfressen wie sein jüngerer Bruder Garfield, wobei sich sein Appetit nicht auf Lasagne beschränkt, sondern auf alles erstreckt, was verpönt ist und Spass macht.

Seinen „Vater”, den amerikanischen Comiczeichner Robert Crumb, machte Fritz weltberühmt, was der ihm damit dankte, dass er Fritz 1972 sterben ließ.

Mit Kommerz hat Mr. Crumb nicht das Allermeiste am Hut: „Big Business Kills Culture” (Das große Geschäft tötet die Kultur). Umso erstaunlicher, dass der heute 60-Jährige zustimmte, als das Kölner Museum Ludwig bei ihm wegen einer Ausstellung anfragte.

Wo doch außer Frage steht, dass „ein Museum Teil der Konsumgesellschaft ist”, wie Museumsleiter Kasper König auf der Pressekonferenz zur Robert Crumb-Schau „Yeah, But is it Art?” bereitwillig einräumte.

Arbeit nur fürs Heft

Crumbs Skepsis gegenüber Konsum und sein Credo, weder für Museen noch für den Kunstmarkt zu arbeiten, sondern für „die gedruckte Arbeit, für das Heft in der Hand”, verschaffte den Kölnern ungewohnt viel Spielraum bei der Konzeption der Ausstellung.

„Yeah, But is it Art?” (Ja, aber ist es Kunst?) zeigt bis zum 12. September rund 200 Zeichnungen, Dokumente und Publikationen aus mehr als 40 Jahren.

Jugendproduktionen wie „Foo”, „Note” und „Arcade” sind zu sehen, Underground-Comics wie „ZAP”, „Snatch” und „Weirdo”, aber auch Glückwunschkarten, Plattencover und Plakatentwürfe, Porträts, Landschaften und Zeichnungen nach Fotografien von August Sander.

Was entweder im Zuge von Auftragsarbeiten entstand oder aus Crumbs auseinander gerissenen Skizzenbüchern stammt, ist thematisch, aber nicht linear gegliedert.

Man wolle Crumbs Werk in voller Breite vorstellen, so Kurator Alfred M. Fischer, über die Illustrationen zu Sex und Drogen hinaus, mit denen der Zeichner in den 60er-70er Jahren zur Ikone der Underground-Comic-Bewegung wurde.

So lernt man ihn erst als Comic-Macher - er schuf unter anderem den rauschebärtigen, kahlköpfigen Guru Mr. Natural, der nichts weiß, aber viel sagt -, als Zeichner und als kritischen Selbstbespiegler kennen, ehe es, in einer Art „Giftschrank” ans Eingemachte geht.

„Help, Im Over Sexed!” ist dieser Teil überschrieben, „der vulgär, abstoßend und politisch völlig inkorrekt ist”. Auch wenn es um Rassismus, Kirche oder Kinder geht, nimmt Crumb kein Blatt vor den Stift, sondern skizziert - ebenso schneidend wie treffend, schonungslos und gemein, unverfroren und ungeschminkt - amerikanische Wirklichkeit.

In „Lob der starken Frauen” gibt es ein Wiedersehen mit Crumbs weiblichem Idealtyp: die kräftige, aber nicht fette Frau, selbstbewusst, wohlgeformt und mit einem netten prallen Bäuchlein.

Der Musik, die Crumb nach eigenem Bekunden mehr gibt als die Kunst, ist der letzte thematische Block gewidmet. „Yeah” - aber ist das jetzt Kunst? „Ich weiß nicht”, antwortet Crumb auf diese Frage und lächelt, „ein Museum ist eigentlich der falsche Ort dafür”.

Und der Mann? Der, der da die ganze Zeit versonnen im Katalog zur Ausstellung geblättert hat, so als wärs ein Bilderbuch und er ein Kind, den ganzen Rummel um seine Person ignorierend, mit dem Kopf hin und her ruckend, ab und zu die Nase kraus ziehend, und die Oberlippe aufstülpend, der, der mit seinem Mittelscheitel im schütteren grauen Haar, dem fusseligen Graubart im blassen Gesicht und den Eulenaugen hinter der runden Glasbausteinbrille aussieht wie ein x-beliebiger Rentner - der ist eigentlich der falsche Mann, um ein Underground-Star zu sein.

Klischees sind nicht totzukriegen. Nirgendwo.