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Brüssel: „Das Theater des Lebens”: Große Paul-Klee-Ausstellung in Brüssel

Brüssel : „Das Theater des Lebens”: Große Paul-Klee-Ausstellung in Brüssel

Belgien widmet dem Schweizer Künstler Paul Klee (1879-1940) seit dem Wochenende die erste Ausstellung seit 60 Jahren.

Unter dem Titel „Paul Klee. Das Theater des Lebens” stellt der Palast der Schönen Künste (Bozar) in Brüssel anhand von 220 Werken gleich zwei bedeutende Aspekte seines Oeuvres in den Vordergrund: die Leidenschaft Klees für das Theater und die Rolle der Musik, die von dem Stardirigenten Pierre Boulez als Gastkurator illustriert wird.

Klee hat in seiner 40-jährigen Schaffenszeit eine sehr individuelle Bildsprache entwickelt, die ihn zu den bedeutendsten Künstlern des 20. Jahrhunderts macht. Die umfassende Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit dem Zentrum Paul Klee in Bern entstanden ist, wurde am samstag eröffnet und dauert bis zum 11. Mai. Klee war ein begeisterter Theatergänger.

So griff er den alten Topos von der Welt als Bühne auf: Menschen werden zu Schauspielern und Puppen, die in der Gesellschaft und im Alltag Theater spielen, in Rollen schlüpfen und sich hinter Masken verstecken. Clowns, Marionetten und Masken sind deshalb auch bedeutende Motive seines bildnerischen Repertoires. Zu den besonders ausdrucksstarken Masken-Bildern gehört „Die zerbrochene” Maske”.

Sie stellt ein Strichmännchengesicht dar, deren linke obere Hälfte durch den Sturz auf den Boden fehlt. Der Mund ist nach unten gezogen, der Gesichtsausdruck wie erloschen. Es besteht keine Ähnlichkeit mit dem Maler, doch kann die Darstellung als Selbstbildnis aufgefasst werden, denn das Werk, Aquarell und Kohle, entstand 1934.

Klee steckte in einer tiefen künstlerischen und persönlichen Krise. Er wurde 1933 von den Nationalsozialisten als „entarteter Künstler” bezeichnet, wurde daraufhin von der Kunstakademie Düsseldorf als Professor fristlos entlassen und kehrte nach Bern zurück. Der Einfluss der Welt des Theaters wie auch des Tanzes, der Oper und des Puppenspiels wird in der Ausstellung durch eine umfassende Dokumentation an persönlichen Aufzeichnungen des Malers, Videos und Theaterplakaten von Hamlet, Falstaff oder Don Giovanni untermauert, die seine universelle Bilderwelt bevölkern.

Der französische Dirigent und Komponist Pierre Boulez hat Klee auf nicht weniger erfolgreiche Art musikalisch dechiffriert. Boulez hat Klee erstmals 1947 entdeckt und war von dessen Transkription musikalischer Klänge in Malerei fasziniert. „Die Beziehung zwischen Musik und Malerei wurde noch nie auf so ausdrucksstarke Art und Weise dargestellt”, sagte der Komponist, der dem Werk Klees im Jahr 1989 das Werk „Le pays fertile” (etwa: Fruchtbares Land) gewidmet hat.

Eine eingehende Analyse unter dem Blickwinkel zeitgenössischer Musiktheorie, die 2008 neu aufgelegt wurde. So illustrieren 60 von Boulez ausgesuchte Werke den Bezug zur Musik. Musikalische Begriffe wie „Rhythmus” und „Polyphonie”, eine Form der Mehrstimmigkeit, bei der die einzelnen Stimmen im Wesentlichen gleichwertig sind, werden durch Überlagerung und Durchdringung unterschiedlicher Farbflächen widergespiegelt.

Auch Linien und Notenschlüssel dienen als formgestalterisches Element, um den Einfluss der Musik bildlich umzusetzen. In „Das Meer hinter den Dünen” nahm Klee drei Notenlinien als Grundstruktur, um die er eine sanfte und fast schon verträumte Dünenlandschaft aufbaut - eine Komposition, die helle und luftige Sinfonieklänge erzeugt.