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Heidelberg: Das Plakat als Waffe: Grafiker Klaus Staeck wird 65

Heidelberg : Das Plakat als Waffe: Grafiker Klaus Staeck wird 65

Der Grafiker Klaus Staeck bedient sich für seine gesellschaftskritischen Aussagen seit Jahrzehnten der Ausdrucksform des Plakats. Die Triebfeder seines Handelns ist dabei der Kampf für Demokratie und Meinungsfreiheit.

Am Freitag wird der Künstler 65 Jahre alt.

Der drohende Irak-Krieg lässt Staeck derzeit nicht zur Ruhe kommen. Bei seinen Protestaktionen, bei denen ihn führende deutsche Künstler und Intellektuellen unterstützen, geht es ihm um die Sache, aber auch ums Prinzip.

„Ich verteidige, dass man sich streiten kann - auch mit den USA”, sagt der Jurist, „das muss möglich sein, ohne dass daraus gleich Antiamerikanismus gemacht wird.”

„Die SPD will euch eure Villen im Tessin wegnehmen”

Für den ersten Paukenschlag sorgte 1972 ein Staeck-Plakat im Bundestagswahlkampf, das über dem Bild einer Villa am Berg die Inschrift trägt: „Deutsche Arbeiter! Die SPD will euch eure Villen im Tessin wegnehmen”. „Damit bin ich bekannt geworden”, sagt das SPD- Mitglied rückblickend.

Ein Jahr zuvor hatte der Grafiker ein Plakat mit dem Bildnis der Mutter Albrecht Dürers und der Inschrift „Würden Sie dieser Frau ein Zimmer vermieten?” entworfen. Das Blatt wurde im Dürer-Jahr in Nürnberg angeschlagen - und stieß auf unerwartet positives Echo.

Mittlerweile hat der Künstler rund 350 Plakate entworfen. Dazu kommt eine Vielzahl von Postkarten und Aufklebern. Zuletzt wurde Staeck, der auch als Verleger tätig ist, mit dem „Kulturgroschen” des Deutschen Kulturrats für die Verbindung von Kunst und Politik in seinem Schaffen geehrt.

Bundestagspräsident Wolfgang Thierse würdigte Staeck als couragierten Künstler, der als ein Beispiel für Zivilcourage in der Gesellschaft stehe. Der Titel seiner im Jahr 2000 erschienenen Autobiografie lautet „Ohne Auftrag - Unterwegs in Sachen Kunst und Politik”.

Ganz ohne Auftrag sieht sich der in Heidelberg lebende Künstler allerdings nicht. „Viele Menschen begreifen Demokratie als ein Unternehmen, das für sie nur Vorteile bringt. Ich habe Demokratie immer als ein Miteinander und Mitarbeiten empfunden”, meint er.

Deswegen lohnten sich auch die Proteste und Aktionen gegen den drohenden Irak-Krieg. „Viele meiner Plakate gegen den Krieg sind heute aktueller denn je”, glaubt Staeck. Um für das Recht der Meinungsfreiheit einzutreten, nehme er auch Blessuren in Kauf.

Staeck muss es wissen. 42 Prozesse wurden gegen ihn geführt, alle hat Staeck gewonnen. „Satire hat immer etwas mit Macht zu tun. Man legt sich immer mit Stärkeren an.”

Auch in Zukunft schließt Staeck juristische Auseinandersetzungen wegen seiner Plakate nicht aus, als Feinde sieht er die Opfer seiner Satiren jedoch nicht an. „Wer die Politiker nicht mag, mag die Demokratie nicht”, erklärt er. Das gelte auch für die Akteure aus dem politisch konservativen Lager.