Aachen: Das Da Theater stellt brennende Fragen mit dem Stück „Inside IS“

Aachen: Das Da Theater stellt brennende Fragen mit dem Stück „Inside IS“

Hat eine Mutter versagt, wenn sich ihr Kind radikalisiert und nach Syrien geht? Was tun, wenn Recht und Gerechtigkeit nicht immer Hand in Hand gehen? Ist das kapitalistische System schuld, dass immer mehr Menschen aus der Gesellschaft ausbrechen wollen? Keine einfachen Fragen und kein einfacher Stoff im neuen Theaterstück „Inside IS“ des Das Da Theaters, das jetzt Premiere hatte.

85 Minuten lang war es still im Theatersaal, dann tosender Beifall. Das Stück zeigt die Geschichte vom jungen Fabian (Ali Marcel Yildiz), der sich radikalisiert und nach Syrien geht. Bevor er, wie geplant, als „Märtyrer“ stirbt, trifft ihn ein Querschläger. In Gesprächen mit den getrennt lebenden Eltern (Regina Winter, Achim Bieler), der Exfreundin (Julia Alsheimer) und einer ehemaligen Lehrerin (Johanna Schulte-Hillen) versucht der Imam (Klaus Beleczko), der Fabian im Gefängnis kennengelernt hat, herauszufinden, wie es zu der Radikalisierung kommen konnte. Ein neugewonnener Freund und Mithäftling (Mehdi Salim) scheint eine Schlüsselfigur im Leben von Fabian gewesen zu sein. Der zu diesem Zeitpunkt bereits verstorbene Fabian kommentiert die Gespräche für das Publikum, während sich kaum einer aus seinem alltäglichen Umfeld eine Mitschuld eingestehen möchte.

Collagenartige Szenen

Die collagenartig geordneten Szenen werden ergänzt durch den zweiten Handlungsstrang, der dokumentarischen Reportage von Jürgen Todenhöfer (Wolfgang Rommerskirchen) und seinem Sohn Frederic (Maciej Bittner). Um die Hintergründe des sogenannten Islamischen Staats zu verstehen, nehmen die beiden Kontakt zu einem Anhänger des IS auf und reisen nach Syrien, um mit dem Kalifen (Malte Sachtleben) zu sprechen. Die spannende und nicht ungefährliche Reise dokumentieren sie mit einer Kamera. Die Aufnahmen, die live auf der Bühne entstehen, sieht das Publikum auf der Leinwand im Hintergrund.

Das Schauspiel „Inside IS“ von Yüksel Yolcu nach den Motiven des Buches „Inside IS — 10 Tage im ‚Islamischen Staat‘“ von Jürgen Todenhöfer wurde hochemotional und sehr authentisch von Regisseur und Theaterchef Tom Hirtz inszeniert. „Tom hat das sehr gut gemacht“, lobte Bühnenautor Yolcu, der extra zur Premiere nach Aachen gekommen war. „Seine Ideen zur Umsetzung des Stücks waren besser als meine eigenen“, gestand er im Gespräch im Anschluss an die Premiere. Die Uraufführung seines Stücks fand im Oktober 2016 im Grips-Theater in Berlin statt. Die Aachener Bühne ist seitdem die erste, die das Stück spielt. „Es ist mutig, dieses Thema zu inszenieren“, erklärte Yolcu. „Das Theater ist der ideale Raum, um Tabus und schwierige Inhalte anzusprechen.“