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Aachen: Das Da Theater präsentiert: „Mit dir sind wir vier”

Aachen : Das Da Theater präsentiert: „Mit dir sind wir vier”

Enge Siedlungshäuser, Verbotsschilder und ein Schrottplatz, der vier fantasiebegabten Jugendlichen zum Abenteuerspielplatz wird: In ihrem neuen Kinderstück, eigens für Aachens Das Da Theater geschrieben, offenbart die preisgekrönte Jugendbuchautorin Sigrid Zeevaert keine heile Welt, sondern die unglaubliche Kraft von Freundschaft und Solidarität - eine Kraft, die sogar Berge versetzen kann, Müllberge und Seelenklippen inklusive.

Rau und realistisch mutet die triste Straße an, in die Bühnenbildner Frank Rommerskirchen die jungen Protagonisten versetzt hat. Das Quartett auf der Bühne stellt sich selbst vor: Die neunjährige Tina, die sich ein Haustier wünscht, hat ganz andere Sorgen als der gleichaltrige Matze, der bei allen als „Weichei” und Jammerlappen gilt.

Die zehnjährige Nele hat zwar vier ältere Brüder, fühlt sich aber dennoch oder gerade deswegen oft alleingelassen. Und Oskar, auch zehn, der „Neue” im Viertel, lebt mehr in seiner Computerwelt als draußen, wo die rabiaten Pritschko-Brüder die Kinder einschüchtern und verjagen. Unverkrampft und lebensnah verkörpert die junge Darsteller-Riege die Kinder, die sich langsam näher kommen und sich ihr eigenes Reich schaffen.

Patricia Rabs als von der Mutter kaum beachtete Tina spielt ebenso überzeugend, wie Karen Lauenstein als mutige und sensible Nele. Jens Eisenbeiser, eben noch als alter Ex-Champion in „Das Herz eines Boxers” zu sehen, imponiert hier als der ängstliche Junge „Matze”, dem immer wieder der geliebte Fußball, die Knieschützer und anderes von den gemeinen Pritschkos weggenommen wird.

Als „Stubenhocker” Oskar, der seine Unsicherheit hinter Fantasy-Angebereien („Ich bin Speedman”) verbirgt, bringt sich Adrian Moll ins temporeiche Spiel. „Mit dir sind wir vier”, heißt es denn auch bald. Stark Mike Kühne (als Jojo in „Herz eines Boxers” in bester Erinnerung), der hier mit einem der Pritschko-Brüder gleich eine ganze Sippe verkörpert, den „Schrecken der Straße”.

Der Aachenerin Sigrid Zeevaert, die längst zu den renommiertesten deutschen Kinderbuch-Autorinnen gehört, kann man zu ihrem neuen Stück nur gratulieren. Wie schon im letzten Jahr mit der Das Da-Uraufführung „Bis ans Ende der Welt” gelingt es ihr, Themen wie Einsamkeit, Sehnsüchte oder Ängste von Kindern mit einer lebensechten Sprache aufzugreifen, die alle anspricht.

Selbst der „Geschlechterkampf” zwischen Jungen und Mädchen wird hier witzig ausgefochten. Und die einfallsreiche Inszenierung von Tom Hirtz mit den gelungenen Liedern (Musik: Christoph Eisenburger) beleuchtet unterhaltsam wie anrührend den gar nicht so einfachen Prozess von Akzeptanz und Kameradschaft - was am Ende vielleicht sogar Raum lässt für die „bösen” Brüder.

Hinreißend das Finale: Wenn die Kinder sich auf dem Schrottplatz zum Ritterkampf gegen die Pritschkos „rüsten”, mit abenteuerlichen Helmen, trutzigen Radkappen und Metallstäben als Lanzen, dann fiebern alle mit. Ob nun sechs oder 76 Jahre alt, die Begeisterung im ausverkauften Haus ist groß. Langanhaltender Applaus für alle.