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Köln: Das Beste aus Soul, Pop und Rock

Köln : Das Beste aus Soul, Pop und Rock

Anastacia bedeutet auf Altgriechisch „die Auferstandene”. Montagabend feiert Anastacia Newkirk in der Kölnarena ihre Auferstehung, und 15.000 Menschen feiern mit.

Ihre „Live at last”-Tour, die die 31-Jährige (erstmals) durch 24 europäische Städte führt, könnte ebenso gut „Alive at last” (zu guter Letzt am Leben) heißen. Offen spricht die zierliche Sängerin aus Chicago über ihre Brustkrebserkrankung und bedankt sich für den Mut, den ihr die Fans gemacht haben: „Ich habe jeden Brief und jede E-Mail gelesen und jedes Geschenk bekommen. Soviel Unterstützung - das ist größer als jede Karriere.”

Der Brustkrebs gilt als besiegt, die Karriere kann weitergehen. Mit ihren beiden ersten Longplayern „Not That Kind” (2000) und „Freak Of Nature” (2001) hat sie bereits gut vorgelegt, holte mehrfach Platin.

Ihr drittes Album, das ganz schlicht „Anastacia” heißt, kam im März heraus und stürmte ebenfalls die Charts. Es ist das Reifezeugnis der kleinen Frau mit der großen Stimme, Stücke wie „Heavy On My Heart” verarbeiten die Zeit als Patientin.

Dass Anastacia ihren Fans 38 Minuten Geduld abverlangt, ist in dem Moment vergessen, als ihre Gestalt als übergroßer Schattenriss über die Bühne gleitet. „Seasons of Change”, das erste Stück der aktuellen CD, bietet der blonden Frontfrau und ihren fünf Musikern den perfekten, soundgewaltigen Einstieg, und ist zugleich Programm: Die Zeit der Veränderungen hat begonnen.

Was mit zwei Zugaben nicht ganz zwei Stunden dauert, bietet einen satten Rundumschlag mit Stücken von allen drei CDs, mit Tanzeinlagen, Funk-Medley, Gesangswettstreit zwischen San-dra aus Köln und Kerstin aus Hamm, die nicht nur auf die Bühne dürfen, sondern auch Küsschen von ihrem Star bekommen, mit Gebet und Glaubensbekenntnis und Kriegsabsage, Vorstellung der Musiker und Backgroundsängerinnen und Videoeinspielungen.

Heiß und süß

Bei „Whyd You Lie To Me” oder „One Day In Your Life” möchte man sich vor der Kraft verneigen, die Anastacias Stimme zueigen ist, die das Beste aus Soul, Pop und Rock in sich vereint. Heiß, schwarz und stark, leicht, süß und lockend, erdig, druckvoll und explosiv.

Die gute Portion Sex, die dabei im Spiel ist, die tiefen Ausschnitte, engen Hosen und Streifen nackter Haut, das Flirten, Hüftenschwingen und Posieren, all das bräuchte es gar nicht. Aber für die Herren im Publikum ist es mit Sicherheit paradiesisch.

Leitern, Stufen und Treppen bestimmen das Bühnenbild, auch hier liegt der Gedanke an Fall und (Wieder)Aufstieg nahe. Bei „Heavy on My Heart” hätte man Anastacia ein Meer von Wunderkerzen gewünscht, stattdessen glühen nur hier und da ein paar Feuerzeuge auf.

Als Anastacia plötzlich auf einer Mini-Bühne mitten im Innenraum auftaucht, kennt der Jubel keine Grenzen mehr. Getoppt wird das nur noch von „Left Outside Alone”, dem Mega-Hit der letzten CD, bei dem es im bestuhlten Teil der Halle fast niemand mehr auf den Plätzen aushält.

Mit Konfetti-Regen und „Im Outta Love”, der Disco-Hymne, der Anastacia ihren Durchbruch verdankt, geht das Konzert zu Ende. Das Licht das angeht, ist kalt wie ein Regenguss, und genauso ernüchternd.