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Mönchengladbach: Da schunkeln die Damen von Sevilla: Bizets „Carmen” operettenhaft

Mönchengladbach : Da schunkeln die Damen von Sevilla: Bizets „Carmen” operettenhaft

Laut einer wissenschaftlich allerdings nicht fundierten Statistik ist Georges Bizets „Carmen” die meist gespielte aller Opern. Solche Popularität verleitet zu Unterschätzung der Ansprüche des Werkes.

Dieser Gefahr erlag nunmehr Reto Nickler, der „Carmen” für das Theater Krefeld/Mönchengladbach auf die Bühne brauchte.

Man wählte die originale Dialogfassung, verzichtete also auf die von Giraud nachkomponierten Rezitative. Dank der heute allgemeinen Übertitel sind französische Dialoge auf der deutschen:Bühne kein großes Problem mehr.

Die Originalfassung wirkt leichter, federnder als die der Grand Opera angenäherte Rezitativ-Version. Liess sich deshalb Nickler zu operettenhafter Aufmachung verleiten?

Da schunkelten die Sevillaner „Damen” allzu billig zu Bizets rhythmisch pointierten Ohrwürmern, wie denn die gesamte Chorführung nicht gerade von Einfallsreichtum diktiert war.

Weshalb im ersten Akt die nicht vorhandene „Menge im Gedränge” die Strasse durch einen Container betritt, weshalb der übrigens hübsche Kinderchor hinter einer Wache herläuft, die gar nicht aufzieht, das bleibt in der Schwebe.

Immerhin haben im dritten Akt die Container - nunmehr ihrer zwei - einen Sinn, denn Bizet/Halévys Schmuggler haben sich in eine Schlepperbande verwandelt, die ihre Menschenfracht drohend und pistolenschwingend ablädt.

Das alles wäre durchaus diskutabel, wäre es nicht szenisch ein wenig zu billig, was auch für Lillas Pastias Bar im zweiten Akt gilt. Atmosphäre schaffen Christoph Rasches bunte Bühnenbilder jedenfalls nicht.

Aus dem Ensemble ragt die sehr schön singende Micaela von Judith Arens heraus. Es war kein Zufall, dass sie am Ende mit besonders starkem Beifall bedacht wurde. Imponierend auch der tenoral strahlende, über schöne lyrische Töne gebietende Steven Harrison als Don José.

Uta Christina Georg war gesanglich durchaus angemessene, als verführerische, einen braven Soldaten zum Desertieren bringende Titelheldin freilich nicht suggestiv genug, was möglicherweise an ihrer Führung durch den Regisseur gelegen hat.

Der als indisponiert angesagte Hayk Dèinyan schlug sich als Escamillo höchst achtbar. Am Pult der Niederrheinischen Sinfoniker stand Allan Bergius.

Freundlicher, keineswegs enthusiastischer Beifall.