1. Kultur

Aachen: Cuarteto Quiroga: Ein phänomenal ausgeglichenes Klangbild

Aachen : Cuarteto Quiroga: Ein phänomenal ausgeglichenes Klangbild

Dem Andenken an den genau vor fünf Jahren tödlich verunglückten Geiger Charles-André Linale hatte Anthony Reiss, künstlerischer Leiter der Aachener Kammermusikreihe Quintessence, den zweiten Abend der Serie gewidmet.

Das machte insofern Sinn, als Linale die Gäste des Abends, das spanische Cuarteto Quiroga, zusammengeführt und eine Weile künstlerisch betreut hatte. Linale hätte sicherlich seine Freude daran gehabt zu erleben, auf welch hohem spieltechnischen Niveau sich das junge Ensemble heute befindet.

Die vier Musiker Aitor Hevia und Cibrán Sierra, Violine, Dénes Ludmány, Viola, und Helena Poggio, Violoncello, waren mit einem hochambitionierten Programm angereist: mit späten Quartetten von Haydn und Beethoven und Bartóks 3. Streichquartett. Bei aller Bewunderung für die Perfektion des Zusammenspiels, die phänomenale Ausgeglichenheit des Klangbildes, das individuelle Können eines jeden der vier Musiker und ihre tonlichen Qualitäten bestätigte auch das Cuarteto Quiroga eine Tendenz, die bei vielen jungen Streichquartettformationen heute zu beobachten ist: die einer Nivellierung der Interpretationen trotz unterschiedlicher Stilrichtungen.

Bei der Wiedergabe von Haydns G-Dur-Quartett aus der Reihe op. 76 mochte dies noch angehen: Das war locker, durchsichtig, genau artikuliert musiziert, wenngleich sich hier schon leichte Manierismen feststellen ließen. Bei Beethovens letztem Streichquartett F-Dur op. 135 strahlte die Interpretation eine merkwürdige Kühle aus, die selbst den wunderbaren langsamen Satz erfasste.

Triumphe mit Bartók

Da wurde mit Klangmitteln am Steg oder am Griffbrett gearbeitet, mit genau ausgeklügeltem Vibrato. Das mag durchaus strukturerhellend sein und die Modernität dieser ihrer Zeit weit vorauseilenden Musik verdeutlichen, allerdings betont sie die ohnehin vorhandene motivische Zersplitterung zu Ungunsten des großen zusammenfassenden Bogens.

Diese Spielweise feierte Triumphe bei Béla Bartóks 3. Quartett, in dem all diese Spieltechniken vom Komponisten gefordert werden. Die vier Musiker spielten hier mit größter klanglicher Differenzierung und tonlicher Intensität.

Es war sicherlich ein Hinweis auf die interpretatorische Ausrichtung des Ensembles, dass es den Abend mit einer wahrlich ungewöhnlichen Zugabe beschloss: mit einem Quartettsatz von Anton Webern.