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Wuppertal: „Crash-Kid” Andi: Leben auf der schiefen Bahn

Wuppertal : „Crash-Kid” Andi: Leben auf der schiefen Bahn

„Crash-Kid” Andi genoss seinen ersten Auftritt vor Kameras sichtlich. Fünf Minuten vor seinen Mitangeklagten nahm der 20-jährige auf der Anklagebank im Landgericht Wuppertal Platz und badete sich im Blitzlichtgewitter der Fotografen und im Scheinwerferlicht der Fernsehkameras.

Als 14-Jähriger hatte er mit einem gestohlenen Lastwagen einen niederländischen Polizisten überrollt und getötet, später im Jugendgefängnis einen Mithäftling vergewaltigt. So wurde er neben dem Münchner „Mehmet” zu einem Synonym für den jugendlichen Serien-Straftäter.

Nun steht er wegen eines Raubüberfalls auf einen angeblichen Drogendealer wieder vor Gericht. Bislang waren die Prozesse gegen den Jugendlichen hinter verschlossenen Türen gelaufen, nun steht er erstmals im Licht der Öffentlichkeit.

Den Richtern schilderte der 20-Jährige seine Straftaten völlig ungerührt: „Wir sind halt alle Drogis”, lautete seine lapidare Erklärung. Im Gefängnis trägt er nach der Vergewaltigung des Mithäftlings den Spitznamen „Prinz Porno”, wie er grinsend bestätigt - und ist offensichtlich erst richtig auf die schiefe Bahn geraten.

Nachdem er seine gesamte Jugend hinter Gittern verbracht hat, nimmt der 20-Jährige nach eigenen Angaben „an Drogen alles außer Heroin”. Marihuana, Kokain, Speed und jede Menge Alkohol hatte er auch in der Nacht zum 1. Mai intus, als er zusammen mit einem früheren Mithäftling einen schon länger ausgeheckten Plan umsetzte. Er überfiel einen ehemaligen Mithäftling.

Zu dieser Zeit war der Serienstraftäter zur Bewährung auf freiem Fuß und litt unter chronischem Geldmangel. Bei dem mutmaßlichen Dealer in Wuppertal vermutete er alles, was er sich wünschte: Jede Menge Geld und Drogen.

Während sich der Komplize hinter der Behauptung verschanzt, man habe den Dealer nicht zu Hause vermutet und lediglich einen Einbruch geplant, stellt „Crash-Kid” Andi vor Gericht unmissverständlich klar: „Das war von Anfang an als Raubüberfall geplant.” Deswegen heuerte er zwei weitere Drogensüchtige als Mittäter an und steckte eine Gaspistole ein. Alle drei maskierten sich mit Tüchern und einer Sturmhaube. Auch der Komplize heuerte noch einen Kumpel an und steckte ein Messer ein.

In Wuppertal klopfte die Bande am frühen Sonntagmorgen an die Wohnungstür des Opfers. Als die Schwester des Mannes ihnen mit einem Baby im Arm die Tür öffnete, stürmten die Männer in die Wohnung. „Dann haben wir die Wohnung durchsucht und alles eingepackt, was einen Wert hatte”, schilderte der Serienstraftäter. Reue ist bei ihm nicht zu spüren.

Über einen der Mitangeklagten sagt er: „Der hat mitgemacht, weil ich sein Vorbild bin. Der würde alles tun, was ich ihm sage.” Seinen Komplizen grinst er unablässig an, als der sich mit seiner Version von einem missglückten Einbruch unter den bohrenden Fragen der Richterin windet. Laut dem Anwalt des Komplizen hat er den Mittäter noch kurz vor Beginn des Prozesses bedroht. „Pass auf, was Du sagst - Ich komme eher aus dem Knast und weiß, wo Deine Freundin wohnt”, soll der 20-Jährige gesagt haben.

Die kriminelle „Karriere” von Crash-Kid Andi begann in den 90er Jahren. Noch als Kind hatte der Sohn eines Truckers neun Mal Autos und Lastwagen gestohlen und mit ihnen mehr als 2000 Kilometer quer durch Europa zurückgelegt. Als das Problemkind im Alter von 13 Jahren auf der spanischen Insel Gomera mit dem Wagen seiner Betreuerin verschwand, hatte er eine bundesweite Debatte über den Sinn solcher Jugendsozialarbeit ausgelöst.